{"id":1000,"date":"2024-12-30T20:31:30","date_gmt":"2024-12-30T19:31:30","guid":{"rendered":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=1000"},"modified":"2025-03-06T15:57:27","modified_gmt":"2025-03-06T14:57:27","slug":"am-abgrund-der-dummheit-oder-die-unertraegliche-leichtigkeit-der-dysfunktionalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=1000","title":{"rendered":"Am Abgrund der Dummheit oder die unertr\u00e4gliche Leichtigkeit der Dysfunktionalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p align=\"justify\"><b>Ein altbekanntes Sprichwort wei\u00df, dass Aufgeschoben nicht gleich Aufgehoben ist und nachdem mir im letzten Jahr kurz vor Redaktionsschluss des traditionelle Rants eine thematische Steilvorlage geliefert wurde, kann ich mich nun dieses Jahr dem eigentlich geplanten Thema 2023, n\u00e4mlich den Zustand unseres Landes, widmen.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Nicht, dass es so kurz vor Jahresende an frischen Steilvorlagen gemangelt h\u00e4tte von denen jede Einzelne es verdient h\u00e4tte, in einen wutb\u00fcrgerlichen Vorschlaghammer verwandelt zu werden. Die allgemeine und auch die spezielle aktuelle Situation gebietet es jedoch, nicht mehr ein einzelnes \u00c4rgernis zu sezieren, sondern die Kettens\u00e4ge zu bef\u00fcllen (mit fossilem Brennstoff nat\u00fcrlich) und die aktuelle Gesamtsituation in grobe St\u00fccke zu zerlegen. Nicht, dass es was \u00e4ndern w\u00fcrde, aber es befreit nat\u00fcrlich ungemein und hinterl\u00e4sst optisch ein weitaus beeindruckenderes Ergebnis als die metaphorische Laparoskopie.<\/p>\n<p align=\"justify\">Jetzt stellt sich dem Autor \u2013 also mir \u2013 nat\u00fcrlich die Frage, wo anfangen? Ganz im Gegensatz zu meinen \u00fcblichen Gewohnheiten werde ich dieses Jahr am hinteren Ende des Irrsinns beginnen und mich Schritt f\u00fcr Schritt \u2013 sofern das marode Fundament mich inhaltlich noch tr\u00e4gt \u2013 Richtung \u201eAnfang\u201c vorarbeiten. Einfach weil ich es kann\u2026<\/p>\n<p align=\"justify\">Also widmen wir uns zuerst den Geschehnissen in und um unser Gesundheitssystem herum, welches zum Jahresende noch einmal ordentlich Z\u00fcndstoff produziert hat. Nicht nur, dass die Beitr\u00e4ge zum neuen Jahr v\u00f6llig \u00fcberraschend \u201emal wieder\u201c angepasst werden m\u00fcssen (wobei \u201eangepasst\u201c interessanter Weise immer und ausschlie\u00dflich \u201eerh\u00f6ht\u201c bedeutet), nein, ganz pl\u00f6tzlich f\u00e4llt Gesundheits-Kalle drei Monate vor vorzeitigem Amtsende ein, dass die Ungleichbehandlung privater und gesetzlich Verunsicherter durchaus harsch zu kritisieren sei. Also verbal&#8230;in Talkshows und Zeitungsartikeln&#8230;und so\u2026<\/p>\n<p align=\"justify\">Da stellt sich dem gemeinen Beobachter nat\u00fcrlich die Frage, wer denn den Hut f\u00fcr Ver\u00e4nderungen im Gesundheitssystem auf dem Haupte tr\u00e4gt und mich beschleicht das Gef\u00fchl, dass es sich dabei nicht um Lothar Matth\u00e4us handelt. Vielleicht tue ich dem Herrn auch unrecht und entsprechende Ma\u00dfnahmen um diese Situation etwas zu \u201everbesser\u201c waren f\u00fcr die letzten sechs Monate der Legislaturperiode angedacht und nun k\u00f6nnen diese aufgrund eines Regierungsprolaps (zu dem Thema sp\u00e4ter mehr) leider nicht mehr aktiv angegangen werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u00dcberhaupt stellt sich die Frage, ob unser Gesundheitssystem noch andere Leistungen vollbringen kann, au\u00dfer regelm\u00e4\u00dfig teurer zu werden, denn die Performance ist im Vergleich zu den Kosten eher als \u00dcberschaubar einzustufen mit stark abknickender Tendenz nach unten (bei der Performance nat\u00fcrlich, nicht bei den Kosten). Gerne wird in diesem Zusammenhang auf die Vorteile, welche wir gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern haben, hin gewiesen, ganz vorne dabei nat\u00fcrlich die FREIE ARZTWAHL, ein Spezialkonstrukt Made in Germany. Die Realit\u00e4t unterscheidet sich hier leider frappierendst vom Wunschdenken. Jeder gesetzlich Versicherte wei\u00df davon ganze Opern zu singen. Wer einen neuen Hausarzt sucht stellt schnell fest, dass dies sich langwieriger gestalten kann, als in der Deutschen Demokratischen Republik einen Trabi bestellt oder einen Telefonanschluss beantragt zu haben. Prinzipiell sind n\u00e4mlich alle Haus\u00e4rzte erst mal VOLL Also mit Patienten! Was den Intoxikationslevel diverser Allgemeinmediziner angeht, will ich mir kein Urteil erlauben. Und wenn man nicht geraden mit dem Kopf unterm Arm die Praxis-R\u00e4umlichkeiten betritt und hochoffiziell auf \u00c4skulap schw\u00f6rt, dass man nicht mehr in der Lage ist auch nur einen Schritt weiter zu gehen, dann bleibt einem die Aufnahme in die heiligen Hallen des Patientenstammes verwehrt. Das hat mit irgend einer Wahl nichts mehr zu tun.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u00dcber die Situation von Fach\u00e4rzten muss man sowieso kein Wort mehr verlieren, denn die Wahl hier beschr\u00e4nkt sich auf \u201ekann einen Termin haben, kurz bevor das n\u00e4chste Erdzeitalter anbricht\u201c und \u201eschaffe ich vor meiner Beerdigung nicht mehr\u201c.<\/p>\n<p align=\"justify\">Man nimmt als Siechender alles was man kriegt, w\u00e4hlen kann wer Kohle auf den Tisch legt. Zus\u00e4tzlich zu den Monetas, die man eh schon ins System gepumpt hat versteht sich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dann w\u00e4re da noch diese Sache mit der EPA, also der elektronischen Patientenakte, welche aber im Gegensatz zu dem nicht verwandten EPO \u00fcberhaupt nicht leistungssteigernd wirkt, daf\u00fcr aber am Ende etwa genau so illegal sein d\u00fcrfte. Schon dieses \u201eMachwerk\u201c h\u00e4tte einen eigenen Jahres-End-Rant verdient, allein ich hebe es mir f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr auf, wenn dann das Kinde mit dem Bade dem Brunnen den Boden ausgeschlagen hat. Um es auf einen kurzen pr\u00e4gnanten Satz zu bringen: Dilettantismus oberhalb jedweden Verst\u00e4ndnishorizonts! Technisch, organisatorisch und rechtlich! Der zur Seite geneigte Leser m\u00f6ge sich bei den einschl\u00e4gig bekannten Quellen (Netzpolitik, CCC und Co.) informieren und bitterlich weinen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ansonsten h\u00e4tten wir da noch diverse weitere Baustellen wie Krankenhausreform, Corona-Aufarbeitung, Pflegenotstand (ja, immer noch, nachdem man ja 2020 mal die Dings&#8230;\u00e4h\u2026.wie hie\u00df das noch&#8230;\u00e4h ja, die Eier in die Hand nehmen wollte, oder so). Summa cum sum laude: Das System ist in einem nicht nur nicht guten Zustand sondern es br\u00f6selt und br\u00f6ckelt so vor sich hin und n\u00e4hert sich eher dem Zustand des Kollaps als dem der Generalsanierung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Apropos Kollaps und Br\u00f6seln. Welch passende \u00dcberleitung zum n\u00e4chsten Thema. Br\u00fccken! Wobei Br\u00fccken dem Umfang der Problematik nicht ganz gerecht wird auch wenn ein sehr umf\u00e4nglicher Teil eben dieser Bauwerke entweder im sehr schlechten oder schon zusammengest\u00fcrzten Zustand vorzufinden sind. Jedoch bef\u00fcrchte ich, dass wir das Thema etwas extensiver angehen und unter dem \u00dcberbegriff \u201eInfrastruktur\u201c aufarbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es scheint ja durchaus ein gut geh\u00fctetes Geheimnis zu sein, dass man Stra\u00dfen, Br\u00fccken, Schienen, Geb\u00e4ude, usw. nicht nur irgendwann einmal bauen sondern auch regelm\u00e4\u00dfig sanieren, renovieren und im besten Falle modernisieren muss. Zumindest hat man diese Tatsache bisher vorz\u00fcglich vor den entsprechend verantwortlichen Dezernenten, Ministern und Entscheidungstr\u00e4gern verborgen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die T\u00e4tigkeit des Sanierens, Renovierens und Modernisierens scheint aber generell nicht unbekannt zu sein, denn es verh\u00e4lt sich so, dass Eigent\u00fcmer dies regelm\u00e4\u00dfig von Mietern verlangen, Mieter entsprechend von den Eigent\u00fcmern und sogar Kommunen erwarten dies von Gewerbetreibenden und Privathaushalten. Private Infrastukturbetreiber scheinen diesbez\u00fcglich auch zu den Eingeweihten zu geh\u00f6ren und recht vern\u00fcnftige Ergebnisse zu erzielen, wie man zum Beispiel bei diversen Flugh\u00e4fen, Badeeinrichtungen und Artverwandtem in Augenschein nehmen kann. Selbst im Bildungssystem sind eklatante Unterschiede zwischen der Infrastruktur privater Tr\u00e4ger und staatlicher Anstalten zu erkennen. Insassen der ersteren sitzen meistens noch in echten Geb\u00e4uden aus Beton und relativ hoher Sicherheit w\u00e4hrend man bei Insassen der Zweiteren einen zunehmenden Tendenz feststellt, diese in Wellblechk\u00e4sten zu pferchen (dazu sp\u00e4ter aber mehr) oder von Geb\u00e4udeteilen erschlagen zu lassen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um es zusammenzufassen: Richtig glatt l\u00e4uft es mit der Infrastruktur nicht und dies nicht nur wegen der zunehmenden Anzahl an Schlagl\u00f6chern. Die schiere Anzahl maroder Br\u00fccken, br\u00f6ckelnder Stra\u00dfen, bauf\u00e4lligen oder abriss-pflichtigen Geb\u00e4uden, grenzwertig gewarteten Schienentrassen und vielem mehr l\u00e4sst eigentlich keinen anderen Schluss zu, dass man hier komplett die Kontrolle verloren hat. Oder einfach, dass die in den letzten 20 Jahren damit betrauten Personen dem puren Dilettantismus fr\u00f6nen und somit niemals die Kontrolle hatte. Auf Basis pers\u00f6nlicher Erfahrungen pr\u00e4feriere ich die letzte Annahme.<\/p>\n<p align=\"justify\">An Stellen, wo man von br\u00f6selnder und br\u00f6ckelnder Infrastruktur schwadroniert, ist meist ein Abriss (haha, welch gewagter Wortwitz) \u00fcber unsere Bildungseinrichtungen (auch Schulen genannt) meist nicht fern. So auch in diesem Pamphlet. Bemerkenswert hierbei ist die Vehemenz, mit der Mitb\u00fcrger darauf bestehen, dass unser Schulsystem ja zu den besseren geh\u00f6rt. Dies f\u00fchrt in den meisten F\u00e4llen zu meiner-seitigen Verwunderung, der Erkenntnis, dass besagter Mitb\u00fcrger vermutlich keine Kinder hat oder sich politisch verdingt (und somit der Begriff der Realit\u00e4t eh schon interpretatorisch fragw\u00fcrdig ist) und zu der Frage: \u201e&#8230;zu den besseren im Vergleich zu welchen?\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">Ferner bleibt die Frage, welches Bildungssystem der besagte B\u00fcrger zu seiner Zeit in Anspruch genommen hat, denn aus eigener Erfahrung wei\u00df ich zu berichten, dass Qualit\u00e4t schon vor \u00fcber 30 Jahren aus den Erziehungsanstalten des Landes hinweg budgetiert wurde, wir auch damals schon extra Kohle f\u00fcr Kopien blechen mussten, die Stoffe f\u00fcr den Chemieunterricht meistens den Aggregatzustand \u201eleer\u201c hatten und die Physiksammlung auf den Stand der sp\u00e4ten 70er und fr\u00fchen 80er Jahre h\u00e4ngengeblieben war. Auch die Auslagerung in \u201etempor\u00e4re Pavillons\u201c war schon damals ein Dauerbrenner, der erst f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt wurde, als die unter dem Pressspahnbunker wuchernde Gr\u00fcnfl\u00e4che durch den Boden hindurch wurzelte. Aber \u2013 und dass kann ich mit etwas stolz verk\u00fcnden \u2013 wurden bei uns die Schulgeb\u00e4ude geschlossen und evakuiert BEVOR den Sch\u00fclern die Decke auf die K\u00f6pfe fiel. Da waren wir dem heutigen Zustand weit vorraus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der geneigte Leser wird sich denken: Ja ja, Oppa erz\u00e4hlt mal wieder vom Kriech!\u201c. Eben diesem sei versichert, dass das Vorhanden sein eigenen Nachwuchses dazu f\u00fchrt, der allgemeinen Evolution dessen was wir so euphemistisch \u201eBildungssystem\u201c nennen aus n\u00e4chster N\u00e4he beizuwohnen, darunter zu leiden und als Elternbeirat Vollopfer dieses sogar mitzugestalten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um es in einfache Worte zu fassen: Lehrmittelfreiheit? Am Ar****! Eine nicht unbetr\u00e4chtliche Menge an Material muss inzwischen von der Parentalfraktion querfinanziert werden. Die Physiksammlung: Immer noch aus den 70ern! Nur liegen diese jetzt nicht mehr 20 Jahre zur\u00fcck sonder 50. Lehrkr\u00e4ftemangel: Genau wie Anno D\u00fcnnemals (nur auf h\u00f6herem Niveau) somit auch eine angemessene Menge an Unterrichtsausfall. Und \u00fcber das Thema Geb\u00e4ude und R\u00e4umlichkeiten brauchen wir hier gar nicht erst zu reden. Wer Genaueres wissen will, besch\u00e4ftigt sich mit der Frankfurter Bildungspolitik, wirf einen Blick auf den \u201eHeld am Montag\u201c (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eozk93mum6o\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eozk93mum6o<\/a>) oder abstrahiert einfach die Erkenntnisse aus dem vorhergehenden Abschnitt zum Thema Infrastruktur.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Autor k\u00f6nnte sich an dieser Stelle auch noch \u00fcber die Ergebnisse der Pisa-Studie echauffieren, nur w\u00fcrde das bedeuten, Kamele nach Athen zu tragen bis die Eule bricht und somit schlie\u00dft er an dieser Stelle das Thema Bildung und erfreut sich der Tatsache, dass es vielleicht noch Lesender:innen gibt, welche wissen, was das Wort Echauffieren \u00fcberhaupt bedeutet und wie man es schreibt&#8230;vielleicht!<\/p>\n<p align=\"justify\">Und nun? Eben solche Erg\u00fcsse k\u00f6nnte ich zu den Themenkomplexen Fachkr\u00e4ftemangel, Ukraine-Politik, W\u00e4rmepumpen-Gesetzte, Olli Scholz\u2019 Aktentasche, E-Auto-Nichtabsatzmarkt, VW-Katastrophen, Deutschland-Ticket, Verkehrsminister Wissing und seinen eklatanten Mangel an Tempo 130 Schildern und nat\u00fcrlich \u00fcber die Grand Dame des plakativen Aktionismus Nancy Faeser f\u00fchren (wobei hier ein einzelner Rant wohl nicht mal ansatzweise Ausreichen w\u00fcrde). Wenn aber schon gestandene Kabarettisten und Satiriker ratlos und kopfsch\u00fcttelnd vor diesem Scherbenhaufen aus geballter Dilettanz kapitulieren, was soll ein kleines vor sich hin w\u00fctendes Licht wie ich noch dazu beitragen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bis zu dieser Stelle gelangt, fragt man sich als Verfassender:innereien, ob der Rezipient noch folgen kann und m\u00f6chte. Letztendlich h\u00e4tte dieses absurde Jahr so viel mehr zu bieten, welches die Dysfunktionalit\u00e4t dieses Landes auf h\u00f6chster Ebene demonstrieren w\u00fcrde und k\u00f6nnte. Da wir aber aus wissenschaftlichen Quellen wissen, dass die F\u00e4higkeit zur konzentrierten Aufnahme von Inhalten zunehmend abnimmt (jaja, ich habe gerade 10 Minuten versucht herauszufinden, wie dieses grammatikalische Konstrukt genannt wird), au\u00dfer vielleicht bei Alkohol, m\u00f6chte ich mich an dieser Stelle der K\u00f6nigsklasse der Dysfunktionalit\u00e4t zuwenden: Der aktuellen Nicht-Mehr-Regierung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Liest man durch die Kommentar-Sektionen diverser Onlinemedien (ein Vorgang, von dem der Autor dieser Zeilen im Sinne der eigenen geistigen Gesundheit dringend abraten muss), dann stellt man fest, dass ein g\u00e4ngiges Argument f\u00fcr den dauerhaften aktuellen Zustand des Landes in etwa wie folgt lautet: \u201eDaran ist nicht die aktuelle Regierung schuld, sondern die Regierung der letzten 5\/10\/15\/20 Jahre. Die k\u00f6nnen das alles gar nicht wegr\u00e4umen\u201c. Da bleibt einem nur zu sagen: Netter Versuch, aber am Ar*** die Waldfee. So billig kommt man aus dieser Nummer nicht raus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Schauen wir doch mal genau hin. Alle Parteien der aktuellen Regierung waren irgendwann an den Regierungen der letzen 5\/10\/15\/20 Jahre beteiligt und einige der gro\u00dfen K\u00f6pfe, welche sich jetzt an nichts mehr erinnern k\u00f6nnen sogar in weitreichenden und tragenden Funktionen.Nicht wenige Entscheidungen der letzten 20 Jahre sind auf den Misthaufen derer gewachsen, die sie jetzt nicht wegr\u00e4umen wollen und k\u00f6nnen, egal ob als Ex-Finanzminister und Vizebundeskanzler, Schr\u00e4ubchedreher im Gesundheitsministerium, etc. pp.<\/p>\n<p align=\"justify\">Weiterhin wurde die aktuelle Regierung gew\u00e4hlt um unter anderem die Fehler, welche man der Regierung der letzten Jahre und Jahrzehnte anlastet anzugehen, zu begradigen und zu beseitigen. Das Argument, dass die aktuelle Besetzung der Regierungsbank nicht an diesen Verfehlungen schuld sei und nicht daf\u00fcr die Verantwortung trage, l\u00e4uft also ins Leere, denn es w\u00e4re unter anderem, neben vielen anderen anstehenden Aufgaben, auch ihr Auftrag gewesen, all das gerade zu r\u00fccken, was in der Vergangenheit \u2013 nach Ansicht der W\u00e4hler \u2013 verbockt wurde oder zumindest mal genau damit zu beginnen. Wir brauchen uns nicht dar\u00fcber zu streiten, denn die Situation in der wir uns hier in diesem Land befinden, ist nicht erst in den letzten 36 Monaten entstanden. Allerdings muss sich die nicht mehr ganz so aktuelle Regierung den Vorwurf gefallen lassen, dass sie wie ein Zahnarzt agiert hat, der die Z\u00e4hne seines Patienten gebleicht und mit Veneers versehen hat, w\u00e4hrend er \u00fcbersehen hat, dass die komplette Substanz darunter schwer kari\u00f6s ist und der sch\u00f6ne Schein in kurzer Zeit einfach in sich zusammenst\u00fcrzen wird. Man hat sich auf Ideologie- und \u201eHerzens\u201c-Projekte fokusiert, 36 Monate rum gest\u00fcmpert, ist vor- und zur\u00fcck gerudert, ist im Kreis rennend seinem eigenen Schwanz hinterhergejagt und am Ende hat man sich nicht wirklich von der Stelle bewegt. Und das Management hat auf les affaire gemacht und an den entscheidenden Stellen durch Abwesenheit gegl\u00e4nzt nur um das Scheitern im Nachgang selbstgef\u00e4llig zu kommentieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das, was wir da die letzten Jahre bewundern durften, h\u00e4tte in keinem Unternehmen egal welcher Gr\u00f6\u00dfe, l\u00e4nger als ein paar Monate angedauert, bevor dieses entweder wirtschaftlich das Zeitliche gesegnet oder der Aufsichtsrat diesem ein krachendes Ende bereitet h\u00e4tte. Beides hat hier nicht statt gefunden, weil ersteres nicht m\u00f6glich ist und zweiteres sehr lange verz\u00f6gert wurde. Man w\u00fcrde in der Wirtschaft und im Finanzwesen wohl von Insolvenzverschleppung sprechen. In dieser Zeit sind uns mehrere Landtagswahlen um die Ohren geflogen mit dem Ergebnis, dass man irgendwelche absurden Koalitionen zusammen schustert, die weder konsens- noch regierungsf\u00e4hig sind, nur um die ewig \u00fcber dem Parlament kreisende Bedrohung AfD in Schach halten zu k\u00f6nnen. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun, denn wenn ein System so sehr um sich kreist, dass es dysfunktionale Organe hervor bringt, die nicht in der Lage sind zu managen, dann sind wir bereits ganz, ganz, ganz weit unten und der Aufschlag ist nicht mehr nur noch eine Frage der Zeit sondern vor allem der H\u00e4rte.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was ist jetzt die Erkenntnis dieses Jahres-End-Rant? Ist wirklich alles so schlimm in diesem Lande und ist es nicht Gejammer auf hohem Niveau?<\/p>\n<p align=\"justify\">N\u00f6, ist es nicht. Wer mich l\u00e4nger kennt wei\u00df, dass ich dieses, unseres Land, unsere Gesellschaft, unser System, sehr lange gegen jede Form von Kritik verteidigt habe, einfach nur, weil ich sehr lange der \u00dcberzeugung war, dass wir in einem der besten aller schlechten Systeme leben. Nat\u00fcrlich gab es Luft nach oben und diese war und ist auch n\u00f6tig und notwendig. In irgend eine Richtung muss man sich ja orientieren k\u00f6nnen und diese Bestreben solle sich immer \u201enach oben\u201c richten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber genau das passiert nicht mehr! Wir verwalten nicht mal mehr den Status Quo, unser einziges Argument ist, dass es \u201ewo anders\u201c ja noch schlechter ist. Im Endeffekt wird also nur noch der Fall gebremst und wir benehmen uns, als ob wir noch mitten im Wirtschaftswunder, mitten in den goldenen Jahren stecken w\u00fcrden. Unser Selbstverst\u00e4ndnis, dass unserer Gesellschaft und unserer Politik basiert auf einem nicht mehr akkuraten Bild der 70er, 80er und vielleicht noch der guten fr\u00fchen 90er Jahre.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich habe Krankenh\u00e4user gesehen, in denen die Stationen in einem Zustand waren, dass man in Zweite-Welt-Staaten vermutlich die Betriebserlaubnis entzogen h\u00e4tte. Ich stelle mir jetzt schon die Frage, ob mein Junior in ein paar Jahren auf eine Privat-Schule geschickt wird, weil ich im aktuellen Bildungssystem inhaltlich und infrastrukturell keine Zukunft mehr sehe. Das Wissen, dass alleine in Hessen 50(!) Autobahnbr\u00fccken nicht nur sanierungsbed\u00fcrftig sonder als kritisch klassifiziert werden l\u00e4sst mich nicht nur am Zustand unserer Verkehrsinfrastruktur zweifeln. All dass vor einer politischen (Un)kultur, in der plakativ an den \u201egro\u00dfen Problemen der Zukunft\u201c herungest\u00fcmpert wird, w\u00e4hrend der eigentlich Unterbau unsere Gesellschaft und unseres Landes verf\u00e4llt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und das alles vor einer politischen Kulisse, die sich nicht wirklich Innovation und allgemeine Verbesserung f\u00fcr Jedermann auf ihre kommunikative Flagge geschrieben hat, sonder an jeden Einzelnen mit der Forderung nach mehr Verzicht, mehr Leistungswille, mehr \u201eG\u00fcrtel enger Schnallen\u201c herantritt. Klimawandel, Kriege und sonstige Krisen hin oder her, diese Ans\u00e4tze und Forderungen sind keine vision\u00e4ren Konzepte f\u00fcr eine positive und gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft. Das sind quasi-religi\u00f6se Schuld- und S\u00fchne Konzepte aus grauer Vorzeit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Tatsache, dass wir in einem Land leben, in dem eine rechtsextreme Partei bei ca. 20% rum d\u00fcmpelt ist demokratisch legitim aber moralisch Fragw\u00fcrdig. Die Tatsache, dass diese Partei daf\u00fcr NICHTS tun musste ist eine Bankrotterkl\u00e4rung aller Parteien, die in dieser Zeit Regierungsarbeit \u201egeleistet\u201c haben. Sicher, man mag argumentieren, dass dies ein europ\u00e4ischer Trend w\u00e4re, aber man m\u00f6ge auch nach D\u00e4nemark schauen, wo sozialdemokratische Parteien die aufkeimenden Rechtsextremen in die Bedeutungslosigkeit zur\u00fcck gedr\u00e4ngt und versenkt habe. Nur dazu bedarf es mehr als st\u00e4ndigen plakativem Aktivismus und ideologisch getriebener bei der Bev\u00f6lkerung durchfallender L\u00f6sungsans\u00e4tze.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber so ist das wohl, wenn eine Gruppe von sich selbst zu sehr eingenommener Egomanen ohne gro\u00dfartigen Bezug zur Realit\u00e4t und nennenswerte F\u00e4higkeiten versucht ein schweres Passagierschiff durch st\u00fcrmische Gew\u00e4sser zu navigieren. Dann muss man den G\u00e4sten das Chaos nur besser erkl\u00e4ren. Und selbst wenn man die Erkenntnis gewonnen hat, sich hoffnungslos verfahren zu haben, so w\u00fcrde doch niemand auf die Idee kommen, dies zuzugeben oder nach dem Weg zu fragen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Geschichtlich betrachtet ist das alles nicht weiter tragisch: Reiche entstehen und Imperien fallen, ein ewiger Kreislauf. Ein guter Indikator f\u00fcr den pr\u00e4terminalen Zustand einer Gesellschaftsordnung, eines Reiches, ist ein zunehmendes Ma\u00df an Dekadenz und wenn ich mich so umschaue und dar\u00fcber nachdenke, dann sind die Zeichen eindeutig. Dann&#8230;und zwar genau dann, wird es Zeit \u00fcber eine Exit-Strategie nachzudenken. Die Frage ist nun nicht mal mehr ob, sondern wann.<\/p>\n<p align=\"justify\">Von daher gibt es diesmal keine \u201eLasst es uns besser machen\u201c-Weisheit am Ende des Rants 2024.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich habe heute leider kein Foto f\u00fcr Euch!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir sehen uns in 2025. Das \u201eWo\u201c wird noch zu kl\u00e4ren sein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bis denne und auf eine neue Runde<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein altbekanntes Sprichwort wei\u00df, dass Aufgeschoben nicht gleich Aufgehoben ist und nachdem mir im letzten Jahr kurz vor Redaktionsschluss des traditionelle Rants eine thematische Steilvorlage geliefert wurde, kann ich mich nun dieses Jahr dem eigentlich geplanten Thema 2023, n\u00e4mlich den Zustand unseres Landes, widmen. 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