{"id":1027,"date":"2025-12-02T16:08:54","date_gmt":"2025-12-02T15:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=1027"},"modified":"2025-12-02T16:08:54","modified_gmt":"2025-12-02T15:08:54","slug":"tuerchen-2-die-sache-mit-dem-einzelhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=1027","title":{"rendered":"T\u00fcrchen 2: Die Sache mit dem Einzelhandel"},"content":{"rendered":"\n<p align=\"justify\">Vielleicht ist es der Zeit des Jahres geschuldet, aber es erscheint mir durchaus angemessen, den diesj\u00e4hrigen <em>AdRantsKalender\u2122<\/em> mit einem, nun, nennen wir es vielleicht Abgesang auf den Einzelhandel zu beginnen. Denn nicht selten beginnt die weihnachtlich-unsinnliche Saison mit einer medialen Auf- und Endr\u00fcstung gegen und vor allem \u00fcber dem Einzelhandel. Allj\u00e4hrlich kann sich dann der Kommentar- und Artikel-Schreiberling diverser On- und Offline-Medien nicht wirklich entscheiden, ob der Einzelhandel an sich T\u00e4ter und Ausbeuter gegen\u00fcber seinen Angestellten oder da nieder liegendes Opfer der ber\u00fcchtigten Endstufen-Kapitalismusmonster Amazon &amp; Konsorten ist.<br>Da dieses vorweihnachtliche Ritual inzwischen genau so zum Dezember geh\u00f6rt wie die allj\u00e4hrliche Feuerwerksdiskussion oder die oktoberliche Zeitumstellungentr\u00fcstung, lassen wir diese Fragestellung lieber unangetastet\u2026nun ja, fast.<br>Denn trotz vieler, vieler Jahre Erfahrung als Kunde und Opfer des Einzelhandels, gebe ich diesem doch wieder und wieder eine Chance. Allerdings ist nun &#8211; mal wieder &#8211; meine Geduld diesbez\u00fcglich doch ein wenig an ihre Grenzen geraten und die Gr\u00fcnde, den ewig jammernden Aufrufen zum allgemeinen Schutze des inzwischen auf der Roten Liste der Gef\u00e4hrdeten Arten stehenden Einzelhandels sowie des Innennst\u00e4dte-Biotops zu retten, nehmen exponentiell ab.<br>Wenn man das &#8222;Gl\u00fcck&#8220; hat, fu\u00dfl\u00e4ufig in der N\u00e4he eines sagen wir mal recht umf\u00e4nglichen Einkaufszentrums zu wohnen, so ist die Hemmschwelle, dort gelegentlich die Ausw\u00fcchse des merkantilen Treibens in Augenschein zu nehmen, doch eher gering, da mit wenig Aufwand verbunden. Bedeutet, wenn die Holde sagt, lass uns zusammen einkaufen gehen, und zwar keine grundlegenden Dinge des Alltags, dann ist die Ausredendecke ausgesprochen d\u00fcnn. Um trotzdem ein wenig die Kontrolle \u00fcber einen potenziellen Konsumanfall zu behalten, empfiehlt sich das vorherige Erstellen eines sogenannten Marschplans, in Fachkreisen Einkaufszettel genannt. Ein paar Socken, ein Sportbadehose f\u00fcr den Kurzen und noch ein Spiel zum Geburtstag oder zu Weihnachten. H\u00f6rt sich recht unkritisch an, sollte man meinen. Und eine Lokalit\u00e4t, die mehrere Sport- und Bekleidungsgesch\u00e4fte sowie Buch- und Spielwarenhandel beherbergt, sollte den Erfordernissen des zur Seite geneigten Kunden durchaus gerecht werden k\u00f6nnen. Und ja, all dies h\u00e4tte man durchaus online bestellen und innerhalb von 48 Stunden geliefert bekommen k\u00f6nnen, aber es soll durchaus Menschen geben, die sich an der T\u00e4tigkeit des Vor-Ort-Einkaufens erfreuen.<br>Bevor wir mit dem Anekd\u00f6tchen fortfahren sei angemerkt, dass das hier beschriebene keinen Einzelfall darstellt, sondern sich seit einigen Jahren so oder so \u00e4hnlich in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wiederholt &#8211; nat\u00fcrlich ohne wirkliche Lernkurve auf Kundenseite (also bei uns). Die beschriebene Abfolge ist dabei immer identisch oder zumindest sehr, sehr \u00e4hnlich.<br>Es beginnt mit der mehr oder weniger gegebenen Verf\u00fcgbarkeit und dem Vorhanden sein eines verkaufswilligen Einzelhandelsschergen. Je nach Preisklasse der Lokalit\u00e4t dauert es manchmal l\u00e4nger, gelegentlich weniger lang, sich eben einen solchen zu &#8222;erjagen&#8220;. Fairer Weise sei hier aber auch erw\u00e4hnt, dass in Gesch\u00e4ften, in denen Socken den Gegenwert einer Monatsmiete haben, der Prozess des Erjagens meist nicht notwendig ist, denn dort trifft man sehr oft auf eine invertierte Gemengelage: Das Verkaufspersonal jagt die Kundschaft. Zur\u00fcck zum Standartszenario: Hat man denn einen solchen Verkaufsverantwortlichen ersp\u00e4ht und stellt die Eine-Million-Euro-Frage (&#8222;Haben Sie Artikel X in der Gr\u00f6\u00dfe Y?&#8220;) verh\u00e4lt es sich nicht so, dass dieser einem freudestrahlend zum Objekt des Interesses f\u00fchrt. Nein, normalerweise wird dann grob in eine Himmelsrichtung gewedelt und die Weisheit &#8222;Da m\u00fcssen Sie mal da dr\u00fcben schauen&#8220; in einer ihrer vielf\u00e4ltigen Abwandlungen paraphrasiert, der Kunde muss ja schlie\u00dflich seine Jagdinstinkte trainieren. Also &#8222;schaut&#8220; man und wird in den meisten F\u00e4llen nicht f\u00fcndig, bzw. scheitert an der nicht erkennbaren Logik der Warenorganisation. Eilt man nun zum Verkaufenden zur\u00fcck folgt in der Regel der Satz &#8222;Wenn&#8217;s nicht da rumliegt\/h\u00e4ngt\/steht\/fliegt, dann haben wir es nicht mehr.&#8220; Vom Kunden wird dann in dieser rituellen Choreografie eine Frage wie &#8222;Und wann bekommen sie das wieder?&#8220; oder &#8222;Haben Sie etwas vergleichbares auf Lager?&#8220; erwartet, die im allgemeinen mit &#8222;Nein&#8220; oder &#8222;Kann ich Ihnen nicht sagen&#8220; beantwortet wird nur um dann proaktiv vom Verkaufsschergen mit &#8222;Schauen Sie doch mal online nach, da haben wir meistens noch mehr!&#8220; erg\u00e4nzt zu werden. Dass ist dann genau dem Moment, wo einer Person des dynamischen Kunden-Duos, n\u00e4mlich namentlich mir, die Hutschnur rei\u00dft. Diese versalzene Situation l\u00e4sst sich allerdings Verk\u00e4ufer-seitig noch ein wenig nachw\u00fcrzen, n\u00e4mlich auf die Frage, ob man es denn in der Filiale oder im Laden bestellen und auch dorthin liefern kann, zu antworten &#8222;Nein, dass k\u00f6nnen sie sich dann nur nach Hause liefern lassen.&#8220; mit dem nicht ausgesprochenen metaphysischen Kontext &#8222;Die Versandgeb\u00fchren m\u00fcssen sie nat\u00fcrlich auch zahlen.&#8220;<br>Dies waren und sind die Momente, wo das letzte bisschen Empathie f\u00fcr den Einzelhandel in mir stirbt, denn die hier geschilderten Abl\u00e4ufe sind nicht die Ausnahme, sie sind <strong>DIE REGEL<\/strong>!<br>Lieber Einzelhandel, ich geh\u00f6re garantiert nicht zu denen, die von unkontrollierten Konsumanf\u00e4llen geplagt werden, aber manchmal m\u00f6chte ich Waren tats\u00e4chlich <strong>JETZT<\/strong> einkaufen, jetzt an- und ausprobieren und wirklich nur <strong>EINMAL<\/strong> wieder ein Erfolgserlebnis bei einem Einkaufsbummel haben. Aber wisst Ihr was: So langsam k\u00f6nnt Ihr mich wirklich am T\u00fcffel t\u00fcten, denn googeln kann ich selber und das vermutlich sogar deutlich besser als die meisten Eurer Verk\u00e4ufer. Wenn ich mich ins Auto oder in die Bahn setze und meine Lebenszeit investiere (ja, im Einzelhandel einkaufen bedeutet auch zeitlichen und logistischen Aufwand auf K\u00e4uferseite), dann ist die Menge an Fehlversurchen, bei denen ich es als akzeptabel erachte mit leeren H\u00e4nden, Taschen, Kofferr\u00e4umen zur\u00fcckkomme, beschr\u00e4nkt. Und die Kompetenz und Kundenorientierung Eures Verkaufspersonals wiegt dieses Defizit nicht auf, denn wenn es nichts gibt, was sie mir verkaufen k\u00f6nnen, dann hilft das nicht. Und keine Kompetenz oder Kundenorientierung hilft noch weniger. Sicher kann man nicht alles auf Vorrat haben, aber prinzipell alles, was sich nicht in rauhen Mengen verkaufen l\u00e4sst, in die eigenen Online-Shops abzuschieben, beraubt Euch, lieber Einzelhandel jeglicher Existenzberechtigung. Denn dann macht es keinen Unterschied mehr, wo ich bestelle und dann nehme ich einfach den H\u00e4ndler, der es mir am Einfachsten macht. Und jetzt ratet mal, lieber Einzelhandel, wer das sein k\u00f6nnte.<br>Und jetzt? Nur destruktives Herummeckern oder auch konstruktive Kritik? Eigentlich ist es ja ein <em>AdRantsKalender\u2122<\/em> und niemand bezahlt mich daf\u00fcr, hilfreiche Hinweise an Unternehmen zu liefern, sonst m\u00fcsste ich ja, Thor bewahre, f\u00fcr McKinsey oder so arbeiten. Aber vielleicht mal in die grobe Himmelsrichtung gewunken (&#8222;Schauen Sie mal da hinten nach, ob Sie was finden&#8220;): Ich habe mal vom Onkel einer entfernten Tante derer bester Freundin geh\u00f6rt, dass es auch anders geht: Da gibt es so Floskeln wie &#8222;Lassen Sie mich mal schauen, ob wir noch was \u00e4hnliches auf Lager haben&#8220;, &#8222;Ich kann ihnen mehrere Gr\u00f6\u00dfen\/Farben\/etc. hierher bestellen und sie k\u00f6nnen das dann hier ausprobieren.&#8220;, &#8222;Kommt in drei Wochen wieder rein, wollen Sie benachrichtig werde oder sollen wir Ihnen direkt eines zur\u00fccklegen&#8220;, &#8222;Warten Sie mal, ich glaube, wir haben noch ein Ausstellungsst\u00fcck!&#8220;, und so weiter und so fort. All das w\u00e4ren St\u00e4rken, welcher der Einzelhandel zu seinem Vorteil nutzen k\u00f6nnen. Aber wer nicht will, der hat halt Amazon\u2026oder wie diese Sprichwort auch lauten mag.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht ist es der Zeit des Jahres geschuldet, aber es erscheint mir durchaus angemessen, den diesj\u00e4hrigen AdRantsKalender\u2122 mit einem, nun, nennen wir es vielleicht Abgesang auf den Einzelhandel zu beginnen. Denn nicht selten beginnt die weihnachtlich-unsinnliche Saison mit einer medialen Auf- und Endr\u00fcstung gegen und vor allem \u00fcber dem Einzelhandel. 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