{"id":419,"date":"2015-02-14T22:03:11","date_gmt":"2015-02-14T21:03:11","guid":{"rendered":"http:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=419"},"modified":"2015-02-14T22:03:11","modified_gmt":"2015-02-14T21:03:11","slug":"ein-ratgeber-fuer-ratgeber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=419","title":{"rendered":"Ein Ratgeber f\u00fcr Ratgeber&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Ph\u00e4nomen, welches vermutlich zur bibliographischen Landschaft geh\u00f6rt, seitdem die ersten Symbole in in irgendwelche H\u00f6hlenw\u00e4nde geritzt wurden, sind die (oder auch) so genannten Ratgeber in denen man mannigfaltige Hilfestellung(en) zu allen m\u00f6glichen und in n\u00e4herer Vergangenheit viel \u00f6fter auch zu unm\u00f6glichen Themen fand und findet. Doch momentan (und aus aktuellem Anlass) erscheint mir dieses geradezu inflation\u00e4re Ausma\u00dfe anzunehmen.<\/em><\/p>\n<p>Das es Ratgeber (und offenbar auch Nehmer) in und f\u00fcr jedwede Couleur gibt ist denke ich hinl\u00e4nglich bekannt. Auch die teilweise eher skurrilen Ausw\u00fcchse, welche die herstellende Industrie diesbez\u00fcglich auf ihre potenzielle Kundschaft losgelassen hat, sind dank multimediale Vernetzung hin und wieder f\u00fcr einen Lachanfall oder doch zumindest f\u00fcr zweifelndes Kopfsch\u00fctteln gut. Man denke hier an so grandiose Titel aus der <strong>&#8222;&#8230;f\u00fcr Dummies<\/strong>&#8222;-Reihe, wie <em>&#8222;Sex f\u00fcr Dummies&#8220;<\/em>, <em>&#8222;Familientherapie f\u00fcr Dummies&#8220;<\/em> oder <em>&#8222;Manisch Depressiv f\u00fcr Dummies&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/20913454z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-420\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/20913454z-211x300.jpg\" alt=\"20913454z\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/20913454z-211x300.jpg 211w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/20913454z.jpg 334w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527708502.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-423\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527708502-220x300.jpg\" alt=\"WILEY VCH WEINHEIM GERMANY\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527708502-220x300.jpg 220w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527708502.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527705511.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-422\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527705511-220x300.jpg\" alt=\"WILEY-VCH WEINHEIM, GERMANY\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527705511-220x300.jpg 220w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3527705511.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Davon abgesehen, dass gerade diese Titel semantisch doch eher zum Grinsen einladen, sei einfach mal dahin gestellt, ob das Konzept dieser Machwerke f\u00fcr die genannten Themengebiete wirklich passend und zutreffend ist.<\/p>\n<p>Was mich aber bei meinem letzten Besuch (also Heute) in einer Filiale einer einschl\u00e4gig bekannten Gro\u00dfbuchhandelskette aber wirklich zum Gr\u00fcbeln brachte, war die inzwischen fast schon gegen Unendlich gehende Menge an eben solchen Druckerzeugnissen.<br \/>\nAm Eingang stie\u00df ich in der Abteilung &#8222;Empfehlungen&#8220; auf<em> &#8222;Ratgeber f\u00fcr Laktoseintoleranz&#8220;<\/em>, <em>&#8222;Ratgeber f\u00fcr Histaminintoleranz&#8220;<\/em> und <em>&#8222;Ratgeber f\u00fcr Fruktoseintoleranz&#8220;<\/em>, gleich neben einem Ratgeber f\u00fcr alle sonstigen Lebensmittelunvertr\u00e4glichkeiten. Eine genauere Betrachtung brachte zu Tage, dass es sich jeweils mehr oder weniger um recht d\u00fcnne Kochb\u00fccher mit rat-gebendem Anteil f\u00fcr jeweils 20\u20ac handelte. Dem geneigten und dar\u00fcber hinaus kritischem Kunden mag die Frage durch den Kopf gehen, ob es nicht auch ein einziges Buch zum Thema &#8222;Kochen bei Lebensmittelunvert\u00e4glichkeiten&#8220; getan h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wie auch immer&#8230;<br \/>\nNachdem ich an einem an nachfolgender Stelle sogar erwartetem Regal und einer Auslage mit B\u00fcchern von allenfalls bei dem kl\u00e4glichen Versuch hochklassig skandinavische Kriminalliteratur zu kopieren gescheiterter deutscher Autoren vorbei schritt, sah ich es schon kommen: Das Ratgeber-Armageddon&#8230;<\/p>\n<p>Ein Tisch mit mindestens 40 handgez\u00e4hlten unterschiedlichen Machwerken zu den Themen fleischlos und vegan, gleich neben einer Auslage von einer \u00e4hnlich gro\u00dfen Anzahl an B\u00fcchern \u00fcber Yoga und seelisches Gleichgewicht. Dann eine erschreckende Menge an &#8222;Low Carb&#8220;-Ratgebern (die B\u00fccher selber sind vermutlich sogar &#8222;Low Carb&#8220;) und noch einmal ein gutes Dutzend unterschiedliche Experten-Bibeln \u00fcber die Themen gesund Laufen und Joggen. Die Liste an Themen zu welchen sich in \u00e4hnlich gro\u00dfer Menge vorfinden lie\u00dfen, lie\u00dfe sich unendlich fortsetzen: Di\u00e4ten in allen Variationen, Steuertricks, Erfolgreich im Job und im Privat- und Liebesleben, den Chef \u00fcbers Ohr hauen, seine Mitmenschen manipulieren, Kinder f\u00fcr die Schule und den Beruf pimpen, etc. usw.<\/p>\n<p>Nimmt man dies alles zusammen, so kommt man ohne zu \u00dcbertreiben auf einen Anteil an Ratgebern an der gesamten gehandelten Literatur von mindestens 50%, wenn nicht sogar schlimmer&#8230;<\/p>\n<p>Hier stellt sich jetzt dem denkenden Beobachter die nur all zu nat\u00fcrliche Frage: <strong>Warum?<br \/>\n<\/strong>Gab es schon immer diese schiere Menge an beratenden Schriftwerken oder glaubt inzwischen jeder dahergelaufene Illustrierten-Journalist, seinen Kolumnen-Bl\u00f6dsinn aus <em>Brigitte<\/em>, <em>F\u00fcr Sie<\/em> und <em>Bild der Frau<\/em> in Buchform versilbern zu m\u00fcssen.<br \/>\nM\u00fcsste nicht eigentlich in all den B\u00fcchern, wenn es sich denn um erprobte und erwiesenerma\u00dfen funktionierende Ratschl\u00e4ge handelt, in etwa das Gleiche drin stehen? Und wenn nicht, wie l\u00e4sst sich die Qualit\u00e4t der Inhalte eben dieser B\u00fccher messen?<br \/>\nWie viele dieser Machwerke sind eigentlich einfach nur der Versuch, den Inhalt frei zug\u00e4nglicher Informationen in Form von Beitr\u00e4gen in Internet-Foren und kostenlosen Webseiten monet\u00e4r auszuschlachten.<br \/>\nUnd schlie\u00dflich: M\u00fcsste es nicht einen Ratgeber daf\u00fcr geben, wie man den passenden Ratgeber f\u00fcr sein\u00a0aktuelles Problem findet?<\/p>\n<p>Fragen \u00fcber Fragen, und nirgends ein Buch, in dem diese beantwortet werden &#8211; ein Teufelskreis.<\/p>\n<p>Aber eines steht fest: offensichtlich besteht ein Bedarf an einem \u00dcberangebot lebensberatender Literatur. Ansonsten w\u00fcrde diese absurde Menge eben dieser nicht in entsprechenden Gesch\u00e4ften vorgefunden werden k\u00f6nnen.<br \/>\nEs zeigt aber sehr gut, dass wir langsam aber sicher zu einem Volk verkommen, welches man f\u00fcr Alles und Jedes an die Hand nehmen muss, Menschen, die sich immer weniger zutrauen, auf sich selbst, ihren (vielleicht noch halbwegs) gesunden Menschenverstand immer weniger h\u00f6ren, das Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten nach und nach verlieren und die Verantwortung lieber in die H\u00e4nde anderer legen.<\/p>\n<p>Ich habe nichts gegen Ratgeber, nein, in vielen F\u00e4llen bieten sie Anreize sich an neue Dinge heranzuwagen oder neue Perspektiven zu erkunden.<br \/>\nWir sind aber inzwischen an einem Punkt angekommen, wo es dutzendfach niedergeschriebene und unterschiedliche Meinungen und Ratschl\u00e4ge dazu gibt, wie man sich richtig, ergonomisch und \u00f6kologisch unbedenklich auf den Lokus zu setzen hat.<\/p>\n<p>Warum verlassen wir uns nicht mehr auf unser Gesp\u00fcr und auf unser eigenes Urteilsverm\u00f6gen. Warum trauen wir uns nicht mehr zu, selber herauszufinden, was, wie\u00a0und wo der beste Weg f\u00fcr uns, unseren K\u00f6rper, unser Essen und unsere Kinder ist?<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich mir deutlich weniger Ratgeber, aber mehr Inhalte, um das Selbstvertrauen in uns und unsere Entscheidungen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ph\u00e4nomen, welches vermutlich zur bibliographischen Landschaft geh\u00f6rt, seitdem die ersten Symbole in in irgendwelche H\u00f6hlenw\u00e4nde geritzt wurden, sind die (oder auch) so genannten Ratgeber in denen man mannigfaltige Hilfestellung(en) zu allen m\u00f6glichen und in n\u00e4herer Vergangenheit viel \u00f6fter auch zu unm\u00f6glichen Themen fand und findet. 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