{"id":470,"date":"2015-05-24T13:18:55","date_gmt":"2015-05-24T12:18:55","guid":{"rendered":"http:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=470"},"modified":"2015-05-24T13:34:25","modified_gmt":"2015-05-24T12:34:25","slug":"die-laufsicht-13-lufthansa-halbmarathon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=470","title":{"rendered":"Die Laufsicht: 13. Lufthansa Halbmarathon"},"content":{"rendered":"<p><em>Auch wenn es ein bisschen versp\u00e4tet sein mag: mit einem Laufbericht und einer Nachlese zum <strong>13. Lufthansa Halbmarathon<\/strong> m\u00f6chte ich mit der Blog-Kategorie &#8222;Laufsicht&#8220; starten, in welcher ich Erfahrungen zu Laufveranstaltugen aus der Ego-Shooter-Perspektive zum Besten geben werde.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr so ziemlich jede Erfahrung im Leben gibt es ein erstes Mal, und wie bei jedem ersten Mal ist es vollkommen in Ordnung auch vor seinem ersten Halbmarathon <del>ein wenig<\/del> ausgesprochen nerv\u00f6s zu sein. Dies musste in der Woche vor dem Rennen vor Allem die Holde (also Ramona) ertragen, war diese Nervosit\u00e4t doch gepaart mit schweren Entzugserscheinungen resultierend aus der selbst auferlegten Tapering-Phase\u00a0in Kombination mit einem freiwilligen Verzicht auf all zu zuckerhaltigen S\u00fc\u00dfkram (vornehmlich Schokolade).<\/p>\n<p>Auch die wohl vor einem solchen Rennen \u00fcblichen Mini-Wehwehchen lie\u00dfen nicht lange auf sich warten: Pl\u00f6tzlich auftretenden Schmerzen im Knie oder im Fu\u00df, etc. usw&#8230; Wer genauere Details hierzu braucht, muss sich nur bei einer beliebigen Laufveranstaltung in den Startblock stellen und die Ohren aufsperren: &#8222;Blubber-blah &#8230;Achillessehne &#8230; blah-blubber &#8230; Lendenwirbel&#8230; blubber-blah&#8230;. \u00a0Kniescheibe.&#8220; Man lernt schon sehr fr\u00fch in seiner L\u00e4uferkarriere, dass dieses Gejammer ein festes Ritual in der Vorbereitung zu einem Lauf bis hin zur Startlinie darstellt und nicht wirklich die\u00a0eigentlichen k\u00f6rperlichen Verfassung der L\u00e4ufer widerspiegelt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-478 size-full\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon.jpg\" alt=\"Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon\" width=\"627\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon.jpg 627w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon-294x300.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Trotz all dieser Widrigkeiten standen Sportsfreund Tony und ich am 8. M\u00e4rz p\u00fcnktlich um kurz vor 10:00 Uhr bei klarem aber kalten 10\u00b0C am Start an der Commerzbank Arena. \u00a0Laut Wettervorhersage sollte die Temperatur im Laufe des Vormittags bis auf 20\u00b0C steigen, dementsprechend hatte ich optimistisch die Variante mit kurzer Laufbekleidung gew\u00e4hlt.<br \/>\nAls n\u00e4chstes stellte sich die Frage: &#8222;Welcher Startblock?&#8220; Meine angepeilte Zielzeit bei Meldung war eigentlich 1 Stunde und 50 Minuten, aber nach den Trainingsergebnissen der letzten Wochen wusste ich, dass es schneller gehen sollte. Eventuell sollte ich doch den Startblock mit der Zielzeit 1:35 &#8211; 1:45 w\u00e4hlen. Was aber, wenn die Beine nicht mehr wollten? Die Bl\u00f6\u00dfe am Ende Spazieren gehen zu m\u00fcssen wollte ich mir eigentlich nicht geben. Letztendlich musste ein Kompromiss herhalten: wir sortieren uns im Startblock mit der Zielzeit 1:45 &#8211; 1:55 recht weit vorne ein, mit der Option nach vorne wegzulaufen.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich um 10:00 Uhr viel der Startschuss f\u00fcr die Elitel\u00e4ufer (wie auch immer es gelingen mag, 21 km in knapp \u00fcber einer Stunde zu rennen) und jeweils mit wenigen Minuten Abstand f\u00fcr die jeweiligen Zielzeit-Startgruppen. Bei mehr als 4000 Startern ist dies ein durchaus sinnvolles Vorgehen, vermeidet man doch somit das Gedr\u00e4nge kurz hinter der Startlinie und die daraus resultierenden \u00dcberholschwierigkeiten, welche gerade bei diesem Lauf aufgrund des Durchquerens einer engen Unterf\u00fchrung kurz nach dem Stadion zu unsch\u00f6nen Situation f\u00fchren k\u00f6nnten.<br \/>\nJetzt hie\u00df es: Konzentration, nicht zu schnell los laufen, Rhythmus finden. Im Gegensatz zu 90% der Mitl\u00e4ufer, laufe\u00a0ich Wettk\u00e4mpfe immer ohne Uhr (bzw. maximal mit den Uhren, welche sich an der Strecke so finden, wie bei Bahnhaltestellen, Kircht\u00fcrmen, usw.), muss mich beim Finden meiner Geschwindigkeit also rein auf meine K\u00f6rpergef\u00fchl verlassen. Raus aus dem Stadion und dann die Flughafenstrasse runter. Hier zeigte sich dann auch, dass sich bei vielen Mitl\u00e4ufern die Vorstart-Nervosit\u00e4t wohl gelegt hatte, denn gleich dutzendfach verschwanden die Kollegen in den angrenzenden Geb\u00fcschen um ihren Fl\u00fcssigkeitshaushalt zu (de)regulieren. Vermutlich sind dies die Momente, wo der Laufsport \u00f6kologisch bedenklich wird (vom vermehrt unkontrolliertem Kohlendioxidausto\u00df mal abgesehen).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/gallery\/events-2015\/frankfurtHM_heidl_337_.jpg\" alt=\"Lufthansa Halbmarathon 2015\" \/><br \/>\nWeiter ging es durch die B\u00fcrostadt in Richtung Mainufer &#8211; und schon auf den ersten drei Kilometern h\u00f6rte man so machen Mitl\u00e4ufer r\u00f6cheln wie einen\u00a0pr\u00e4finalen Darth Vader. An der Stelle stellt sich einem dann immer wieder die Frage: &#8222;Ist das Gesund, wenn man schon nach drei Kilometern auf der letzten Rille keucht und noch 18 weitere Kilometer vor sich hat?&#8220; Aber bei wie so vielen Dingen muss dass wohl jeder f\u00fcr sich selber entscheiden.<br \/>\nDie Temperaturen stiegen noch best\u00e4ndig fr\u00f6hlich vor sich hin und so ging es in anst\u00e4ndigem Tempo und bei knapp 18\u00b0C zwischen den Geb\u00e4uden der doch recht unspektakul\u00e4ren B\u00fcrostadt entlang und Richtung Mainufer weiter. Ein gelegentlicher Abgleich mit Tonys Uhr ergab: bisher hatten wir bei jedem Kilometer mit kaum merklicher Abweichung fast punktgenau immer die 5 Minuten getroffen &#8211; schneller und bei Weitem weniger anstrengend, als ich erwartet hatte.<br \/>\nGerade f\u00fcr das Training im Triathlon hei\u00dft es ja: lerne Dich jeden Tag neu kennen &#8211; und genau dies schien mir gerade an dieser Stelle zu passieren. Bis zu diesem Punkt war mir nie klar, dass meine Beine so etwas wie einen eingebauten Tempomat mit Energieeffizienzkontrolle besitzen. Ab Kilometer Vier beschlossen sie zumindest von selber in genau diesem Tempo zu laufen (5 min\/km) und dies bis zum Ende auch nicht mehr \u00e4ndern zu wollen. Die Durchgangszeit bei Kilometer 10 am Eisernen Steg war ziemlich genau 50 Minuten &#8211; und erstaunlicherweise war ich weder au\u00dfer Atem noch zeigten sich sonst irgendwelche bekannten Erm\u00fcdungserscheinungen. Es folgte der Teil durch Sachsenhausen \u00fcber die M\u00f6hrfelder Landstrasse bis hin zur Isenburger Schneise. An dieser Stelle wird die ansonsten sehr angenehme Strecke doch ein wenig gemein: Kilometer um Kilometer l\u00e4uft man kerzengeradeaus vom eigentlichen Ziel in der Commerzbank-Arena weg auf einen Wendepunkt zu, w\u00e4hrend auf der anderen Strassenseite einem bereits die Scharen der L\u00e4ufer wieder entgegenkommen. Zudem ist dies der einzige Teil der Strecke, an dem es best\u00e4ndig (aber nicht sichtbar) leicht bergauf geht und die Beine einem dann doch melden, dass sie schon 15 Kilometer hinter sich haben, und man sich eventuell \u00fcberlegen k\u00f6nnte, ob es denn nun nicht genug sei. Aber wie wir alle irgendwann mal gelernt haben: Wo es hinauf geht, muss es auch wieder hinunter gehen. Nach dem Wendepunkte konnte ich die Beine wieder ein wenig schneller laufen lassen und den Kilometerschnitt halten.<br \/>\nBei Kilometer 18 schlie\u00dflich <del>musste<\/del> wollte Tony noch einen Sprint einlegen (oder es zumindest versuchen) w\u00e4hrend ich meine\u00a0Pace beibehielt.<br \/>\nEs blieb letztendlich nur noch der Weg durch den Stadtwaldt \u00fcber die Otto-Fleck-Schneise zum Stadion zur\u00fcck. &#8222;Nur noch&#8220;&#8230;denn irgendein geistig umnachteter Architekt musste bei Kilometer 19 noch ein Br\u00fccke vor das Stadion bauen und somit wohl auch den steilsten Anstieg (wenn man von so etwas bei einer Br\u00fccke sprechen kann) genau vor den letzten Kilometer platzieren.<br \/>\nEin Hinweis f\u00fcr jeden, der den Halbmarathon ebenfalls laufen will: Ihr k\u00f6nnt das Stadion zwar sehen, wenn Ihr \u00fcber die Br\u00fccke seit, aber bis zum Ziel ist es ein verdammt langer letzter Kilometer, der sich so anf\u00fchlen wie f\u00fcnf &#8211; eine komplette Runde ums Stadion. Der Kopf hat bereits an die Beine signalisiert, dass sie nahe am Ziel sind und diese glauben ihm nat\u00fcrlich (elende Mitl\u00e4ufer). Hier hei\u00dft es einfach Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen und durch.<br \/>\nGenau dies tat ich auf dem letzten Kilometer&#8230;einfach durch. Die Lunge h\u00e4tte an diesem Tag vermutlich sogar einen Marathon hergegeben, die Beine waren mit den 21 Kilometer gut bedient.<br \/>\nKollege Tony hatte sich mit dem Sprint noch eine gute Minute Vorsprung erlaufen. Letztendlich stand am Ende f\u00fcr mich eine 1:45,32h (deutlich unter der selbst gew\u00e4hlten Zielzeit) zu Buche und ein Platz im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes: 1527er bei \u00fcber 4600 L\u00e4ufern, es geht durchaus schlechter. Zudem die Erkenntnis, dass ein Halbmarathon mit einer vern\u00fcnftigen Zeit zu beenden bei gutem Training kein Hexenwerk ist und vor allem richtig Spa\u00df machen kann.<\/p>\n<p>Es m\u00fcssen also neue Ziele her: Zielzeit f\u00fcr den n\u00e4chsten Halbmarathon &#8211; <em>1:39h<\/em> oder schneller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn es ein bisschen versp\u00e4tet sein mag: mit einem Laufbericht und einer Nachlese zum 13. Lufthansa Halbmarathon m\u00f6chte ich mit der Blog-Kategorie &#8222;Laufsicht&#8220; starten, in welcher ich Erfahrungen zu Laufveranstaltugen aus der Ego-Shooter-Perspektive zum Besten geben werde. 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