{"id":586,"date":"2015-10-24T20:28:56","date_gmt":"2015-10-24T19:28:56","guid":{"rendered":"http:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=586"},"modified":"2015-10-24T20:28:56","modified_gmt":"2015-10-24T19:28:56","slug":"die-laufsicht-ein-jahr-swim-bike-run-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=586","title":{"rendered":"Die Laufsicht: Ein Jahr Swim-Bike-Run Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lehrjahre sind keine Herrenjahre &#8211; so sagt man jedenfalls. Auch mir sollte nach dem ersten Hoch und den ersten Schritten in meiner neu entdeckten Sportart die Weisheit dieser Sentenz vor Augen gef\u00fchrt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Nach den kleinen\u00a0Erfolgen beim Quarterman wurden die Ziele f\u00fcr das erste gro\u00dfe Event, den Frankfurt City Triathlon, nat\u00fcrlich nach oben geschraubt. Von einer Zielzeit zwischen 2:45h und 2:55h sollte keine Rede mehr sein, vielmehr wollte ich die 2:30h angreifen. Die Voraussetzungen, so glaubte ich, h\u00e4tten dort nicht besser sein k\u00f6nnen: eine pfannkuchenflache Radstrecke und eine voll asphaltierte Laufstrecke durch die Frankfurter Innenstadt ohne nennenswerte H\u00f6henmeter. In der Realit\u00e4t gestaltete sich dies allerdings ein wenig anders.<br \/>\nWar ich von meinen bisherigen drei Teilnahmen an Triathlonveranstaltungen eher eine unkomplizierte Organisation gew\u00f6hnt, so entwickelte sich diese in Frankfurt zu einem ernsthaften Marathon. Freitag Nachmittags galt es die Startunterlagen so wie die Wettkampfbesprechung in der Frankfurter B\u00f6rse mitzunehmen, Samstags sollte das Rad eingecheckt und f\u00fcr Sonntag musste noch der An- und Abtransport organisiert werden.<br \/>\nDie erste ern\u00fcchternde \u00dcberraschung erfolgte beim Einchecken des Fahrrads am Samstag Nachmittag. Dass es sich bei der Wechselzone nicht um den \u00fcblichen Irrgarten aus Eisengestellen und Bikes handeln w\u00fcrde, war uns bereits im Vorfeld (oder sp\u00e4testens nach der Wettkampfbesprechung) klar. Aber das der Weg vom Wasser zum Bike eher die L\u00e4nge einer Laufstrecke bei einem Jedermann-Triathlon entsprach, ern\u00fcchterte schon &#8211; vor allem als in mir die Erkenntnis reifte, dass ich eine hierf\u00fcr entscheidende F\u00e4higkeit im Training und in der Wettkampfvorbereitung \u00fcberhaupt nicht trainiert hatte: das Aufsteigen auf das Rad mit bereits an den Pedalen eingeklinkten Schuhen.<br \/>\nDies sei dem Sportunkundigen kurz erkl\u00e4rt: Die Wettkampfordnung will es, dass die Radschuhe entweder direkt am Rad fest eingeklinkt in der Wechselzone warten, oder das diese nach dem Verlassen des Wassers und dem Umziehen an den F\u00fc\u00dfen zu tragen sind. Ein Mitf\u00fchren der Schuhe in den H\u00e4nden f\u00fchrt umgehend dazu, vom Kampfrichter ins Umkleidezelt zur\u00fcckgeschickt zu werden (gerne auch kurz bevor man das eigene Rad erreicht hat).<br \/>\nIch entschied mich konsequenter Weise f\u00fcr die Variante des Holzschuhtanzes (einen halben Kilometer mit Radschuhen \u00fcber Stock und Stein holpern) um der m\u00f6glichen Peinlichkeit vorzubeugen, mich vor versammelter Zuschauerschaft beim Versuch mit bereits eingeklinkten Schuhen auf mein Bike zu steigen, ausgiebig l\u00e4cherlich zu machen. Ein von einem solchen Sturz angekratztes Ego d\u00e4mpft die Motivation in diesem Moment doch ganz ungemein.<br \/>\nNachdem am Samstag auch das Transport-Problem gel\u00f6st war (vielen Dank nochmal an Tonys Bruder, der uns von hinten durch die kalte K\u00fcche an den Langener Waldsee gefahren hat) standen wir (Tony und ich) also am Sonntag Morgen bereit, uns in das Get\u00fcmmel und auf die insgesamt 56,5 Kilometer zu werfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11802178_841751159226320_1080051271_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-592\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11802178_841751159226320_1080051271_n.jpg\" alt=\"11802178_841751159226320_1080051271_n\" width=\"960\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11802178_841751159226320_1080051271_n.jpg 960w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11802178_841751159226320_1080051271_n-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><br \/>\nBei einer offiziell gemessenen Wassertemperatur von 21,9\u00b0C (Neo erlaubt) fand ich mich recht schnell in einem Haufen Wurstpellen-Schwimmern wieder. Da meine pers\u00f6nliche Temperatur-Schwelle f\u00fcr das Anlegen der Pelle bei 19,9\u00b0C liegt, geh\u00f6rte ich auch an diesem Tag zu der kleinen Randgruppe der &#8222;fast nackig&#8220; Schwimmer. Zum Start wurden die &#8222;Hells Bells&#8220; von AC\/DC gel\u00e4utet und ab ging es in die Waschmaschine &#8211; 1,5 km im Langener T\u00fcmpel. Hier gewann ich die Erkenntnis, dass sich das erste Motivationsloch bereits nach 200-300m einstellen kann. Im Gegensatz zum Schwimmen im Becken liegen die Orientierungspunkte weit auseinander und wollen auf den ersten Metern auch nicht wirklich n\u00e4her kommen (&#8222;Wie, noch 5 mal die gleiche Strecke???&#8220;). Es galt also f\u00fcr mich, meinen Rhythmus zu finden und mich aus der Gruppe freizuschwimmen um m\u00f6glichst die obligatorischen Unterwasserk\u00e4mpfe zu vermeiden. Nach 700m war dann der Rythmus und die Motivation da und ich konnte mein Tempo bis zum Ende durchschwimmen &#8211; sogar das ein oder andere Temposcharm\u00fctzel konnte ich mir erlauben.<br \/>\nDer Ausstieg gelang gut, mein selbst deponierter Wechselbeutel war schnell gefunden und ab ging es ins Umkleidezelt. Da ich mir den Neo erspart hatte, galt es f\u00fcr mich nur die Socken und Radschuhe anzuziehen, die Schwimm-Utensilien im Beutel zu verstauen und diesen in der &#8222;Drop-Off&#8220; Zone abzuwerfen. Es folgte der besagte &#8222;Holzuschuhtanz&#8220; bei dem ich mir schwor, dass ich in der n\u00e4chsten Saison definitiv das professionelle Auf- und Absteigen auf das Rad in meinem Trainingsplan einbauen\u00a0w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-593\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084.jpg\" alt=\"FCT15AV023000_0084\" width=\"2304\" height=\"3456\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084.jpg 2304w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084-200x300.jpg 200w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084-683x1024.jpg 683w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/FCT15AV023000_0084-1200x1800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 2304px) 100vw, 2304px\" \/><\/a><br \/>\nErstaunlicher Weise erwies sich die eigentlich so flache Radstrecke als gef\u00fchlt gar nicht so flach. Nach H\u00f6henprofil sollte es die ersten 10 km \u00fcber die Kennedy-Allee nach Sachsenhausen kontinuierlich leicht bergab gehen. Dem war <strong>subjektiv<\/strong> nicht so. Vielmehr hatte ich es vorher noch nie als so anstrengen empfunden, nur kerzengeradeaus zu fahren. Erst nach 15 km kam die Beine langsam in Tritt und sollten es irgendwie noch schaffen, einen Schnitt von fast 35 km\/h auf die 45 km auf den Asphalt zu pedalieren.<br \/>\nDer abschlie\u00dfende 10 km Lauf brachte die Erkenntnis, das die Frankfurter Innenstadt einfach kein Ort f\u00fcr mich ist, an dem ich gerne renne. H\u00e4userfassaden sind eint\u00f6nig und nicht nur die Kaugummi-Reste auf den Kacheln der Zeil lassen sich die Strecke in eine unendliche L\u00e4nge ziehen.<br \/>\nMein Ziel, die\u00a0gesamte Distanz\u00a0unter 2:30h zu laufen, habe ich um 10 Minuten verfehlt.<\/p>\n<p>Nach dem ersten Frust und einer etwas n\u00fcchterneren Betrachtung des Ganzen kann ich aber im nachhinein trotzdem sagen, dass der Wettkampf mehr positive als negative Eindr\u00fccke bei mir hinterlassen hat. Es gab viel zu lernen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Vorhaben und objektiv gesehen war weder die Zeit noch die Platzierung im ersten Drittel der Gesamtwertung wirklich schlecht. Ob ich noch einmal bei dieser Veranstaltung antreten werde sei dahin gestellt &#8211; daf\u00fcr hat mich die Atmosph\u00e4re einfach nicht genug gepackt.<br \/>\nEs ist einfach eine Tatsache, dass beim Triathlon nicht alleine die Distanz \u00fcber die Zeit entscheidet. Die Rahmenbedingungen wie Wetter, Wechselzone, Gel\u00e4nde und Mitstreiter sind einflussreiche Faktoren bei der Jagd nach der eigenen Bestzeit und nur, weil diverse Wettk\u00e4mpfe die Streckenbezeichnung &#8222;Kurzdistanz&#8220; oder &#8222;olympische Distanz&#8220; verwenden, hei\u00dft das noch lange nicht, dass sich diese Wettk\u00e4mpfe auch nur ann\u00e4hrend gleichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Anmerkung: Auch beim letzten Wettkampf der Saison in Rodgau habe ich die angepeilte Marke von 2:30h wieder knapp um 3 Minuten verfehlt. \u00c4rgerlich aber nicht tragisch. Noch nicht erreichte Ziele halten die Motivation hoch &#8211; und wer wei\u00df, vielleicht erreiche ich eben diese in der n\u00e4chste Saison als &#8222;Nebenprodukt&#8220; meines Weges zur Mitteldistanz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lehrjahre sind keine Herrenjahre &#8211; so sagt man jedenfalls. Auch mir sollte nach dem ersten Hoch und den ersten Schritten in meiner neu entdeckten Sportart die Weisheit dieser Sentenz vor Augen gef\u00fchrt werden. Nach den kleinen\u00a0Erfolgen beim Quarterman wurden die Ziele f\u00fcr das erste gro\u00dfe Event, den Frankfurt City Triathlon, nat\u00fcrlich nach oben geschraubt. 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