{"id":614,"date":"2016-01-25T19:07:18","date_gmt":"2016-01-25T18:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=614"},"modified":"2016-01-25T19:07:18","modified_gmt":"2016-01-25T18:07:18","slug":"tipps-for-freaks-die-sache-mit-den-spielzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=614","title":{"rendered":"Tipps For Freaks: Die Sache mit den Spielzeugen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Woran erkennt man, dass ein Triathlet auf Deiner Bahn schwimmt? &#8230;. Du musst Dich durch gef\u00fchlte 10 Kubikmeter an Spielzeug und Equipment w\u00fchlen, um ans Wasser zu gelangen.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist immer wieder ein erheiternder, manchmal aber auch ein verst\u00f6render Anblick, wenn man morgens in die Schwimmhalle marschiert und die Sportkameraden, welche bereits flei\u00dfig ihre Bahnen ziehen, viele kleine und gro\u00dfe H\u00e4ufchen neben den Startbl\u00f6cken gebildet habe &#8211; gr\u00f6\u00dftenteils gl\u00fccklicher Weise nur aus Spielzeug. Da t\u00fcrmen sich dann Dutzende von Pull Buoys, Pull Kicks, Schwimmbrettern, Flossen in kurz und lang, Getr\u00e4nkeflaschen, Paddles und was wei\u00df ich nicht noch alles.<\/p>\n<p>Der nicht sachkundige Beobachter w\u00fcrde nun vermutlich bei all dem Equipment ein gewisses Leistungspotenzial im nassen Element seitens der Anwender eben jener Utensilien vermuten. Dies verh\u00e4lt sich (zum gr\u00f6\u00dften Teil) mitnichten so. Auch mit noch so viel Ger\u00e4t, bleibt der durchschnittliche Triathlet im nassen Element dramatisch\u00a0untermotorisiert.<br \/>\nWarum ist das so? An dieser Stelle m\u00f6chte ich versuchen, dieses Problem mal aus meiner Sicht (also aus der Perspektive eines ehemaligen Leistungsfisches) zu beleuchten, auch wenn sich im globalen Netz bereits Fachartikel fast genau so stapeln, wie die Ausr\u00fcstung am Beckenrand. Dabei wollen wir uns vor Allem mit den f\u00fcr den Triathlon typischen Schwimmsp\u00e4teinsteigern besch\u00e4ftigen, denn ehemalige Schwimmer sind von dem Problem eher selten betroffen.<\/p>\n<p>Eines der gro\u00dfen Probleme ist meines Erachtens nach, dass der Sp\u00e4teinsteiger typischerweise nur die Technik lernt. Meistens in einem Kraulkurs (manche sogar speziell f\u00fcr Triathleten) oder per Selbststudium mittels Videos oder diverser Fachliteratur. Da der Fokus in vielen F\u00e4llen wie geschrieben auf dem Erlernen der Technik liegt (Zugphase, Druckphase, R\u00fcckholphase, K\u00f6rperrotation, Beinarbeit, Atmung) wird dem eigentlichen Wassergef\u00fchl wenig bis keine Beachtung geschenkt. Zudem scheinen Erwachsene sich wesentlich schwerer damit zu tun, eben jenes Wassergef\u00fchl zu entwickeln.<br \/>\nAber was ist das nun genau? Eigentlich handelt es sich nur um die Selbst-wahrnehmung des eigenen K\u00f6rpers im Wasser.<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.5;\">Wie ist meine Wasserlage? Wie viel Kraft setze ich gerade mit meinem Armzug im Wasser um? Wie gro\u00df ist meine Rotation? Liege ich m\u00f6glichst flach im Wasser? Wie weit drehe ich den Kopf beim Atmen? Den meisten Triathleten ist die Technik durchaus vertraut, sie haben aber nie ein Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickelt, wie gut die Bewegungen im Wasser ausgef\u00fchrt werden. Das merkt man sehr schnell daran, wenn man jemanden fragt, warum er oder sie beim Atmen st\u00e4ndig Richtung Himmel schaut oder warum die Beine im\u00a045\u00b0 Winkel nach unten vom Rumpf her abknicken, etc. pp. Erstaunlicher Weise haben viele das Gef\u00fchl, dass technisch alles sauber ist &#8211; als au\u00dfenstehender Beobachter kommt einem aber das Grausen (und manchmal tut einem das Genick oder die H\u00fcfte nur vom zuschauen weh).<\/span><\/p>\n<p>Genau dass ist der Punkt, an dem Spielzeuge fatal werden und eigentlich das Gegenteil von dem bewirken, f\u00fcr was sie eigentlich gedacht sind.<br \/>\nAuf meiner pers\u00f6nlichen Fataliti\u00e4ten-Liste stehen hier Paddels ganz oben. Der gute Schwimmer nutzt diese zum Kr\u00e4ftigungstraining des Armzuges. Bei vielen Triathleten kann man aber beobachten, dass sie der Meinung sind, der Armzug w\u00e4re nach der Zugphase zu Ende\u00a0&#8211; vermutlich weil die Druckphase zu anstrengend ist. Da schwabbelt der Arm dann nur noch bis knapp H\u00fcfth\u00f6he nach hinten und wird dann zur\u00fcckgeholt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Dauer-Paddle-Schwimmer es sich zwei mal \u00fcberlegen w\u00fcrden, ihre 1-3 Kilometer nur mit Paddels zur\u00fcck zu legen, wenn sie eine sauber Zug- und Druckphase mit bewusstem Krafteinsatz ausf\u00fchren w\u00fcrden, denn dass w\u00fcrde f\u00fcr die meisten Triathleten als Kr\u00e4ftigungstraining vollkommen ausreichen.<\/p>\n<p><em><strong>Tipp:<\/strong> Achtet <span style=\"text-decoration: underline;\">bewusst<\/span> auf die vollst\u00e4ndige Ausf\u00fchrung von Zug- UND Druckphase und dass ihr in der Druckphase auch noch Druck auf der Hand\/dem Arm habt (da kommt n\u00e4mlich der Name her). Ihr k\u00f6nnt das vollst\u00e4ndige Ausf\u00fchren \u00fcberpr\u00fcfen, indem ihr mit dem Daumen in der Phase versucht Euren Oberschenkel zu ber\u00fchren, bevor Ihr in die R\u00fcckholphase \u00fcber geht. Und ja, am Anfang darf das dann auch Muskelkater geben.<\/em><\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem zweit liebsten Spielzeug des Triathleten, dem Pull Buoy &#8211; und nein, es hei\u00dft NICHT Pool Boy, auch wenn frau den sich auch zwischen die&#8230;.\u00e4hhh&#8230;egal.<br \/>\nImmer wieder zu beobachten: Triathleten, die Kilometer um Kilometer mit der Auftriebshilfe zwischen den Beine schrubben (gerne auch in Kombination mit den Paddels). In nicht wenigen F\u00e4llen sind die Herrschaften sogar recht flott unterwegs &#8211; aber nimmt man ihnen den Schaumstoff weg, ist das\u00a0oft \u00fcberhaupt kein sch\u00f6ner Anblick mehr und in einigen F\u00e4lle dem Ertrinken \u00e4hnlicher denn dem Schwimmen. Auch hier ist meistens das mangelnde Wassergef\u00fchl ein gro\u00dfes Problem. Die Beine sacken nach unten, die H\u00fcfte wird instabil, die Rotation unkontrolliert.<\/p>\n<p><em><strong>Tipp:<\/strong> Eigentlich ist es offensichtlich, aber regelm\u00e4\u00dfiges Schwimmen ohne Pull Buoy oder andere Auftriebshilfe und OHNE Beinschlag (also NUR Arme) wirkt hier wunder. Ein stabiler Rumpf-Bereich erleichtert die Sache ungemein (also ran an die ungeliebten Stabis). Mit etwas K\u00f6rperspannung sacken die Bein nicht weg (Ihr k\u00f6nnte gerne probieren, ob Ihr, wenn Ihr nur mit den Armen schwimmt, mit den Fersen die Wasseroberfl\u00e4che durchsto\u00dfen k\u00f6nnt). Wem das nicht gelingt, der kann auch leichte Korrekturbeinschl\u00e4ge f\u00fcr den Anfang einbauen.<\/em><\/p>\n<p>Ein viel beanspruchtes Maklersprichwort besagt: &#8222;Eine gute Lage ist eine gute Lage ist eine gute Lage.&#8220; Das kann man f\u00fcr das Schwimmen genau so \u00fcbernehmen. Wenn Hilfsmittel und Spielzeuge dazu eingesetzt werden, etwas zu korrigieren, was ohne sie einfach nicht oder nur mit viel Anstrengung geht, dann wirken sie in der Regel kontraproduktiv. Im Endeffekt bedeutet dies: Paddles nur einsetzen, wenn der Armzug technisch komplett sauber ausgef\u00fchrt werden kann und das Kr\u00e4ftigungstraining ohne Hilfsmittel an seine Grenzen gekommen ist, Pull\u00a0Buoy dann einsetzen, wenn man eine halbwegs saubere Wasserlage auch ohne Auftriebshilfe beherrscht.<\/p>\n<p>Nicht vergessen: Hilfsmittel sollten wenn \u00fcberhaupt gezielt im Training eingesetzt werden. Wenn ich Paddles f\u00fcr das Krafttraining verwende, dann sollte die Trainingseinheit dazu passen. Das gleiche gilt f\u00fcr den Pull Buoy &#8211; in einem Techniktraining ist er richtig aufgehoben, das Ger\u00e4t einfach so einsetzen, weil es gerade da ist und weil es das Training einfacher macht, ist eher eine schlechte Idee.<\/p>\n<p><em><strong>Tipp:<\/strong> Versucht Euer Wassergef\u00fchl zu entwickeln. Beobachtet Euch selber beim Schwimmen, versucht Euch Eure Lage im Wasser, Euren Krafteinsatz und Euren Bewegungsablauf bewusst zu machen und zu visualisieren. Nutzt dazu auch Hilfe von au\u00dfen. Sich selber beim Schwimmen auf Video zu beobachten, ist manchmal optisch gar nicht zu sch\u00f6n, aber versucht es mit Eurem Wassergef\u00fchl in Einklang zu bringen. Wenn sich die Rotation richtig angef\u00fchlt, Ihr aber im Video seht, dass Ihr Euch fast in R\u00fcckenlage befindet, dann gilt es, hier am Wassergef\u00fchl zu arbeiten.<br \/>\nMacht Gleit\u00fcbungen: sto\u00dft Euch mit K\u00f6rperspannung unterwasser von der Wand ab und gleitet, so weit es gelingt (wenn Ihr dabei das Gleichgewicht verliert und anfangt zu rotieren, m\u00fcsst Ihr weiter am Wassergef\u00fchl arbeiten). Oder dreht Euch direkt aus der Kraullage w\u00e4hrend des Schwimmens in die R\u00fcckenlagen und schwimmt direkt weiter. Wenn Euch dass ohne M\u00fche und Rumgezappel gelingt, seid Ihr auf einem guten Weg.<\/em><\/p>\n<p>Als Abschluss vielleicht noch folgende kleine Anekdote: Zu den Zeiten, als ich nur aktiver Schwimmer war (vor fast unglaublichen 20 Jahren), gab es bei uns im Training als Spielzeug maximal ein zerkautes Schwimmbrett. Dieses haben wir mehr oder weniger auch als Auftriebshilfe zwischen die Beine geklemmt. Allerdings hat dass das Schwimmen eher erschwert, da es mit dem Brett anstrengender war, das Gleichgewicht zu halten und zudem definitiv \u00fcbersch\u00fcssigen Auftrieb produziert hat. Als Paddels gab es zwei Kunststoffrechtecke (ohne L\u00f6cher) mit Plastikschlauchst\u00fccken als Fingerhalterung bei denen schon das Eintauchen ins Wasser einem kleinen Stunt gleich kamen (in der Raumfahrt h\u00e4tte man wohl vom Abprallen an der Atmosph\u00e4re gesprochen).<br \/>\nAlles in Allem war und bin ich \u00fcber 90% meiner Trainingszeit im Schwimmbecken ohne Gimmicks und Schnickschnack unterwegs (auch wenn ich mir dann beim Beintraining ab und an doch mal ein Pull Kick w\u00fcnsche). Geschadet hat es wohl nicht, denn ich geh\u00f6re immer noch zu den eher z\u00fcgigeren im Wasser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woran erkennt man, dass ein Triathlet auf Deiner Bahn schwimmt? &#8230;. 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