{"id":676,"date":"2016-05-23T19:30:14","date_gmt":"2016-05-23T18:30:14","guid":{"rendered":"http:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=676"},"modified":"2016-05-23T19:57:57","modified_gmt":"2016-05-23T18:57:57","slug":"die-laufsicht-brunnenfestlauf-oberursel-oder-flach-kann-ja-jeder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=676","title":{"rendered":"Die Laufsicht: Brunnenfestlauf Oberursel oder &#8222;flach kann ja jeder&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Genug mit mir selbst gehadert: Nach einem Tag hin- und her mit meinem Ego, die gesetzte Zielzeit nicht erreicht zu haben und, nach ein wenig Reflexion (danke Alex), der Erkenntnis, dass die Erwartungen zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umst\u00e4nden eigentlich so gar nicht realistisch waren, ist es jetzt an der Zeit, ein paar Worte \u00fcber ein an sich hochinteressantes Laufevent zu verlieren.<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem Blick auf die Strecke und das H\u00f6henprofil war eigentlich von Anfang an klar: Einen Angriff auf die eigene Bestzeit \u00fcber 21,095 km konnte es bei diesem Lauf nicht geben. Dagegen sprachen neben diversen Bodenbeschaffenheiten (von Kopfsteinpflaster bis Waldpfad) auch und vor Allem die im Streckenplan vermerkten insgesamt 337 H\u00f6henmeter, von denen sich die Meisten bei Kilometer 3 und Kilometer 13 in Form eines &#8222;markanten Anstieges&#8220;, wie es die Ausschreibung euphemistisch formulierte, im Wald versteckt hatten. Aber, ohne Zielzeit kein Wettkampf und so sollte es im Endergebnis eine Zeit knapp unterhalb der 1:40h werden&#8230;dachte ich.<\/p>\n<p>Allerdings, wie ein viel bem\u00fchtes Zitat zu sagen wei\u00df: &#8222;Kein Plan \u00fcbersteht den ersten Kontakt mit dem Feind&#8220;. Und dieser Satz sollte auch dieses mal wieder seinen Wahrheitsgehalt unter Beweis stellen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_Track.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-693\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_Track.jpg\" alt=\"BFL_Track\" width=\"790\" height=\"633\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_Track.jpg 790w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_Track-300x240.jpg 300w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_Track-768x615.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei sch\u00f6nem Wetter und knapp 25\u00b0 fiel der Startschu\u00df zum diesj\u00e4hrigen Brunnenfestlauf f\u00fcr die 10\u00a0Kilometer-\u00a0und Halbmarathon-L\u00e4ufer p\u00fcnktlich um 10:00 Uhr auf dem Marktplatz in Oberursel. Nach einer kleinen Runde mit Gef\u00e4lle f\u00fchrte die Strecke in den Maasgrund, wo sich ab Kilometer 2 erahnen lie\u00df, dass die Strecke nicht wirklich flach verlaufen w\u00fcrde. Der omin\u00f6se &#8222;markante Anstieg&#8220; sollte kurz darauf folgen und k\u00fcndigte sich in Form der ersten gehenden L\u00e4ufer bereits am Waldrand an. 800m sind von der Strecke her an sich \u00fcberschaubar, mit knapp 100 H\u00f6henmetern gew\u00fcrzt werden sie allerdings schwer verdaulich. Dies gilt ins Besondere dann, wenn man keine Ahnung hat, wie man so etwas in den eigenen Wettkampf integrieren soll. Nat\u00fcrlich, ich laufe auch im Training gerne Anstiege hoch, da st\u00f6rt es aber nicht, wenn man hinterher gem\u00fctlich weiter trabt. Was aber, wenn man so etwas noch nie unter Wettkampfbedingungen und Pace ausprobiert hat und einem auch noch die Erkenntnis ins Hirn kriecht, dass man da ja bei Kilometer 13 noch mal hoch muss. Also &#8222;Fire and Forget&#8220; (m\u00f6glichst schnell hoch) oder doch lieber &#8222;spazieren gehen&#8220;. Ich entschied mich f\u00fcr eine Variante, die im Training eigentlich immer ganz gut funktioniert, gleichm\u00e4\u00dfig mit vern\u00fcnftigem Speed den Hang hoch &#8211; im Nachgang betrachtet vermutlich die falsche Entscheidung, ebenso wie der Gedanke, dass es ja auf der zweiten H\u00e4lfte der Runde bergab gehen w\u00fcrde und man dort wieder ein wenig Kraft tanken k\u00f6nnte. Das dies zwar f\u00fcr vieles, jedoch\u00a0nicht f\u00fcr die Beinmuskulatur gilt, sollte ich sp\u00e4ter noch erfahren.<br \/>\nFreundlicherweise befand sich kurz hinter dem Anstieg die erste Verpflegungsstation. Auch wenn man erwartet, dass nach diesem Anstieg dass Schlimmste f\u00fcr die erste Runde \u00fcberstanden ist, wird es bis zum h\u00f6chsten Punkt an der Klinik Hohemark noch nicht wirklich netter. Bis dorthin darf man sich \u00fcber einen leichten stetigen Anstieg mit der ein oder anderen kleinen Welle freuen, bevor es zweieinhalb Kilometer abw\u00e4rts \u00fcber Waldwege Richtung K\u00f6nigsteiner Strasse geht. Hier trennen sich die Wege der 10km- und der Halbmarathon-Strecke das erste Mal. W\u00e4hrend die 10km L\u00e4ufer direkt auf die Stra\u00dfe Richtung Oberursel einbiegen d\u00fcrfen, vollf\u00fchrt die Halbmarathonstrecke einen kleinen Bogen \u00fcber einen schmalen Waldpfad, bevor sie auf die K\u00f6nigsteiner Stra\u00dfe m\u00fcndet. An dieser Stelle wird es dann etwas z\u00e4h: Nach dem ganzen Auf und Ab geht es wieder \u00fcber flachen Asphalt, der nach einem weitern kurzen Anstieg fast schon zu einem recht steilen Zielschu\u00df wird &#8211; in der ersten Runde allerdings nur f\u00fcr die 10km L\u00e4ufer. Der Rest biegt wieder in den Maasgrund ab und darf sich geistig und moralisch schon mal auf den unvermeidlichen zweiten Anstieg &#8222;freuen&#8220;.<br \/>\nNach kurzer Diskussion zwischen meinen Beinen und mir entschieden wir im Konsens, das Hochspazieren unter allen Umst\u00e4nden zu vermeiden und dieses, dem Namen der Sportart entsprechend, laufend zu \u00fcberstehen. Motiviert davon, dass ich bereits zu Beginn des Anstieges noch ein paar Mitl\u00e4ufer einsammeln konnte, versuchte ich mit m\u00f6glichst konstantem Schritt mein Gl\u00fcck ein zweites Mal &#8211; was auch gelang, vermutlich aber doch um einiges langsamer als in der ersten Runde (wie eh und je laufe ich Wettk\u00e4mpfe ohne Uhr, kann also nicht vergleichen) und mit kostspieligem Energiebedarf. Es folgte erneut die Wasserstation und der weitere Aufstieg bis zur Klinik bei Kilometer 15. Meine Beine f\u00fchrten an dieser Stelle kurzzeitig\u00a0eine Urabstimmung zu einem Generalstreik durch, der aber durch geschicktes Verhandeln der Tarifparteien abgewendet werden konnte, insbesondere da der schwierigste Teil der Strecke endg\u00fcltig \u00fcberwunden war. Auf dem Weg abw\u00e4rts kam mir dann der Gedanke, dass solch profilierte Kurse eventuell von der Renneinteilung doch anders funktionieren, als ein ebener Stra\u00dfenlauf. Konnte ich in den Anstiegen trotz motzender Beine noch mit dem L\u00e4ufer vor mir Kontakt halten, war der Abstand bergab pl\u00f6tzlich auf zwei-, dreihundert Meter angewachsen. Anmerkung am Rande: eine Orientierung an Mitl\u00e4ufern auf der zweiten Runde ist\u00a0deshalb schwierig, da sich nach der ersten Runde die 10 Kilometer-Truppe bereits verabschiedet hat und sich\u00a0die\u00a0ca. 200 Halbmarathon Teilnehmer auf den gesamten 11 Kilometern des Rundkurses verteilen.<br \/>\nMit Einbiegen auf die K\u00f6nigsteiner Strasse auf den letzten Kilometern reifte in mir die Erkenntnis, dass auch das Rennen\u00a0in der Ebene nach so einem Auf- und Ab kein Selbstl\u00e4ufer (h\u00f6h\u00f6) mehr ist, einem die letzten gar nicht so schwer geglaubten Kilometer noch einmal kr\u00e4ftig ins Gehwerk fahren und auch der letzte nur noch bergab f\u00fchrende Kilometer nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt Spa\u00df macht.<br \/>\nNach einem kurzen Anstieg ging es nochmal \u00fcber Kopfsteinpflaster Richtung Ziel und Uhr, die eine besch&#8230; \u00f6hhh&#8230; gar nicht so sch\u00f6ne 1:43 h zeigte. Strecke gemeistert, Zielzeit um 3 Minuten verfehlt. \u00c4rgerlich&#8230;<\/p>\n<p>Nachdem ich aber nun genug an mir gezweifelt habe, ist es vern\u00fcnftig einfach mal die wirklichen Tatsachen zu betrachten: Meine bisherige Bestzeit von 1:35 bin ich unter fast optimalen Bedingungen beim Frankfurt Halbmarathon gelaufen und die Trainingsbelastung vor diesem war wesentlich geringer. Hinzu kommt, dass ich vermutlich auf Grund meiner Unerfahrenheit mit &#8222;profilierten&#8220; Strecken\u00a0\u00a0in der Renneinteilung ein paar Fehler gemacht habe, am Hang zu hart gelaufen bin und die Muskelerm\u00fcdung bergab untersch\u00e4tzt habe. Im Training st\u00f6rt es halt nicht, wenn man nach ein paar Bergan-L\u00e4ufen mit einem langsamen Schnitt die letzten Kilometer nach Hause trabt, im Wettkampf ist das dann doch eher ein wenig kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Letztendlich\u00a0ist es vermutlich Jammern auf sehr hohem Niveau, sich \u00fcber eine solche Zeit bei einer solchen Strecke zu \u00e4rgern. Ja, ich h\u00e4tte gerne meine Zielzeit geknackt! Ja, ich w\u00e4re gerne besser gewesen. Trotz Allem\u00a0war es gut und vielleicht eine \u00e4hnliche Leistung wie beim Frankfurt Halbmarathon, wer wei\u00df. Ein weiterer positiver Effekt: Ich habe jetzt zumindest eine Ahnung, was mich im August im Breisgau erwartet.<\/p>\n<p>Den Brunnenfestlauf in Oberursel kann ich jedem ambitionierten L\u00e4ufer nur empfehlen. Die Strecke ist landschaftlich erste Klasse, die Organisation absolut super und die Teilnehmerzahl absolut angemessen und angenehm. Beim Schwierigkeitsgrad\u00a0bediene ich mich mal mangels Erfahrung mit solchen L\u00e4ufen f\u00fcr die\u00a0Bewertungen bei diversen Lauf-Blogs und Webseiten: Die Bandbreite der Einsch\u00e4tzung reicht hier von anspruchsvoll- bis sehr anspruchsvoll. An dieser Stelle\u00a0kann ich mich nur anschlie\u00dfen: Einfach ist was anderes! Der n\u00e4chste Level sind vermutlich dann vollwertige Bergl\u00e4ufe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_RaTom.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-694\" src=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_RaTom.jpg\" alt=\"BFL_RaTom\" width=\"383\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_RaTom.jpg 383w, https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/BFL_RaTom-180x300.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine weitere entscheidende Erkenntnis m\u00f6chte ich dem Leser aber nicht vorenthalten: Auch die Dame des Hauses hat sich an diesem Lauf beteiligt und \u00fcber 5 Kilometer ihren ersten gezeiteten Wettkampf bestritten &#8211; und dies um einiges schneller als sie es von sich selbst erwartet hat (kleine Info am Rande: sogar schneller als mein erster 5er, aber psst, nicht weiter sagen). Ich hatte sie zwar im Vorfeld dahingehend informiert, dass dies genau so geschehen w\u00fcrde, aber da ich da ja nur bedingt Ahnung vom Laufen haben, muss man mir ja nicht glauben. \ud83d\ude09<br \/>\nVielleicht ist ja auch da der Funke \u00fcbergesprungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Infos zum Brunnenfestlauf:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.brunnenfestlauf.de\" target=\"_blank\">brunnenfestlauf.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genug mit mir selbst gehadert: Nach einem Tag hin- und her mit meinem Ego, die gesetzte Zielzeit nicht erreicht zu haben und, nach ein wenig Reflexion (danke Alex), der Erkenntnis, dass die Erwartungen zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umst\u00e4nden eigentlich so gar nicht realistisch waren, ist es jetzt an der Zeit, ein paar Worte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":692,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[10,11,3],"tags":[14,13,12],"class_list":["post-676","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-a3k","category-die-laufsicht","category-sport","tag-brunnenfestlauf","tag-halbmarathon","tag-running"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=676"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":699,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676\/revisions\/699"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}