{"id":983,"date":"2022-12-31T12:45:49","date_gmt":"2022-12-31T11:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=983"},"modified":"2022-12-31T12:46:13","modified_gmt":"2022-12-31T11:46:13","slug":"der-influencer-virus-eine-studie-zu-schaedliche-nebenwirkungen-von-influencern-auf-das-zerebrale-system-bei-langzeitexposition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frontal.richard-wolfram.de\/?p=983","title":{"rendered":"Der Influencer-Virus &#8211; Eine Studie zu sch\u00e4dliche Nebenwirkungen von Influencer(n) auf das zerebrale System bei Langzeitexposition"},"content":{"rendered":"\n<p align=\"justify\"><b>Da ist er wieder, der ber\u00fcchtigte Jahres-End-Rant und fast schon traditionell auch der einzige Eintrag, den ich \u00fcber die letzten 12 Monate in diesem Blog \u2013 auch wenn es diese Bezeichnung schon lange nicht mehr verdient \u2013 t\u00e4tige. Alleine, der Gattin verlangt es danach und als guter Ehemann ist es nat\u00fcrlich meine Pflicht, das Verlange der Gattin zu befriedigen. Folglich hei\u00dft es, sich an die Tasten zu setzen und die Windungen des Hirns zu st\u00fcrmen, welches oder welche weitreichenden und gereichten Ereignisse denn meines Zorns w\u00fcrdig sind.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Nicht, dass dieses nach langem Siechtum dahinscheidende Jahr jede Menge Kontro- und auch etliches Perverses zu bieten gehabt h\u00e4tte. An gesamt- und globalgesellschaftlichem Bl\u00f6dsinn hat es zu keiner Zeit gemangelt. Allerdings findet dieser sich inzwischen auf einem so niedrigen Niveau wieder, dass es einfach keinen Spa\u00df mehr macht, diesen mit der metaphorischen Axt zu er- und zerlegen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Also alles, \u00fcber was ich im diesj\u00e4hrigen Rant nicht reden will, in der Kurzfassung:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\"><i>Ukraine-Krieg:<\/i> Faschistische Autokratie mit schwerem Realit\u00e4tsverlust bei der Regierungsspitze&#8230;\u00f6hh, Entschuldigung, es muss nat\u00fcrlich \u201ebeim F\u00fchrer\u201c hei\u00dfen, f\u00fchrt Angriffskrieg mit genozider Zielsetzung. Diskussion nicht notwendig, da eindeutig irrsinnig und widerlich. Wegtreten!<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><i>Pandemie:<\/i> \u201eDes Corona, hat des jetzt eigentlich was gebracht? Nee, gell? (frei nach Badesalz)<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><i>Fu\u00dfball, WM und FIFA: <\/i>N\u00f6, Diskurs sinnlos. Au\u00dferdem kann man nicht auf Entit\u00e4ten eintreten, deren moralisches Niveau bereits zweieinhalb Meter unterhalb der Grasnabe gerade vollst\u00e4ndig verrottet ist.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\">So richtig aufregen kann einen nicht mehr wirklich viel davon. Aber wor\u00fcber k\u00f6nnte ich mich dann von oben herab auslassen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Antwort bringt in diesem Fall der \u00e4lteste Spross der Familie regelm\u00e4\u00dfig abends mit an den Esstisch: Influenza&#8230;ach nee&#8230;Influencer&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Es ist nicht nur bezeichnend, dass die Rechtschreibpr\u00fcfung dieses Wort als fehlerhaft markiert, denn das ist es und das dadurch beschriebene Subjekt Zweifels ohne, es ergibt auch dahingehend einen Sinn, dass das Niveau der Gespr\u00e4che w\u00e4hrend des Abendessens von dieser \u201eBerufs\u201cgruppe sehr oft einfach hinweg-influenced wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um irgendwelchen Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Mir ist das Konzept des Influencens und artverwandter T\u00e4tigkeiten \u00fcber alle Kan\u00e4le, welche das digitale Medium so zu bieten hat, durchaus gel\u00e4ufig, denn auch ich konsumiere Inhalte diverser Plattformen wie Youtube und Instagram. Allerdings l\u00e4sst mich das Konstrukt dieser gigantischen, jeder-mit-jedem agierenden, diskutierenden, reagierenden und in nicht wenigen F\u00e4llen anscheinend auch kopulierenden Beeinflusser-Blase schon ein wenig verst\u00f6rt zur\u00fcck. In vielen F\u00e4llen erinnert mich das alles an Scripted-Reality-Soap-Dokus, in denen regelm\u00e4\u00dfig neu durchgemischt wird, wer gerade mit wem gut (oder schlecht) kann, wer der Good Guy und der Bad Ass ist und wer gerade mit wem in was f\u00fcr einer auch immer geartete Beziehung steckt. Dies alles allerdings dann auf dem Niveau der 90er Jahre Storylines des Profi-Wrestlings.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sei es wie es sei, zu diesem recht undurchsichtigen Konglomerat an Influencer-Gekl\u00fcngel gesellt sich ein guter Schuss vorget\u00e4uschten Exhibitionismusses, denn der Beeinflusser agiert ja vermeintlich als individuelle Pers\u00f6nlichkeit, die gerne auch mal ins Private und Intime blicken l\u00e4sst. Da wird von gesundheitlichen Problemen \u00fcber psychische St\u00f6rungen bis hin zu favorisierten Sexstellungen und der eigenen Aktfrequenz so ziemlich alles an Informationen mit der eigenen \u201efamili\u00e4ren\u201c Community geteilt, welche im Einzelfall auch gerne aus mehreren famili\u00e4ren Millionen von Zuschauern besteht. Der ein oder die andere ist dann wenigstens so ehrlich und biegt direkt Richtung \u201e<i>Only Fans<\/i>\u201c ab, da l\u00e4sst sich dann mit dem realen Entbl\u00e4ttern halt noch mehr verdienen als mit dem mal mehr mal weniger vorget\u00e4uschtem Seelenstriptease.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Formate (welch Pervertierung dieses Begriffes), mit denen dann die Community unterhalten wird und sich anscheinend auch unterhalten l\u00e4sst, f\u00fchren im g\u00fcnstigsten Fall zu einem milden L\u00e4cheln in vielen F\u00e4llen aber zu einer geh\u00f6rigen Portion Brechreiz. Dabei sind Reactions \u2013 oft auf \u00e4hnlich geistige Erg\u00fcsse anderer Influencer &#8211; ja noch die harmloseste Variante des Niveau-Limbos. In den meisten F\u00e4llen werden einfach Party-Spiele, welche wir in den 90ern einfach mit einer Flasche schlechten Alkohols in irgendwelchen sporenverseuchten Partykellern gespielt haben, etwas aufpoliert (\u201eIch hab noch nie&#8230;\u201c, \u201eWahrheit oder Pflicht\u201c, \u201eKiss, Marry, Kill\u201c, etc. pp.). Schaut man auf die Click- bzw. View-Zahlen dieser Beitr\u00e4ge beschleicht einen schon der Verdacht, dass das Leben der meisten Rezipienten doch recht armselig verlaufen sein muss oder immer noch verl\u00e4uft. Ich kann ja durchaus nachvollziehen, dass man gerne mal dem ein oder anderen Youtube- oder Twitch-Promi beim Zocken von Videospielen zuschaut, dieses aber auch bei den belanglosesten Partyspielen zu tun l\u00e4sst sich nur mit einer geh\u00f6rigen Portion Voyeurismus erkl\u00e4ren oder der Abwesenheit jeglichen Mindestanspruches.<\/p>\n<p align=\"justify\">K\u00f6nnten wir es an dieser Stelle nicht gut sein lassen, denn immerhin wurde und wird dieses Ma\u00df an minimal-intellektueller Unterhaltung ja seit je her von diversen Fernsehkan\u00e4len bedient. K\u00f6nnten wir, wenn diese omin\u00f6se Gruppe an Content-Kreaturen&#8230;Entschuldigung&#8230;Kreatoren, sich einfach weiter in ihrem (A)soziotop aufhalten w\u00fcrde. Das ist nat\u00fcrlich Wunschdenken, denn hin und wieder f\u00fchlt sich ein nicht kleiner Teil berufen, zu politischen und gesellschaftlichen Themen \u201eseri\u00f6se\u201c Inhalte zu produzieren, zu recherchieren und zu kritisieren, zugegebener Ma\u00dfen mal mit mehr, mal mit weniger berauschender Qualit\u00e4t. Euphemistisch nennen dass die meisten bei sich dann auch Journalismus. Leider ist in diesem Konstrukt bereits ein schwerer Kardinalsfehler eingebacken, n\u00e4mlich der, dass es sich nicht um Journalisten sondern um Beeinflusser (jaja, so \u00fcbersetzt sich der Begriff in der Tat) handelt. Jeder einzelne eben dieser Beeinflusser hat eine Community, welche eine bestimmte Erwartungshaltung an ihn\/sie\/es stellt und welche sich aus den gelieferten Inhalten speist. Und wenn der entsprechende Content-Creator sich nicht von vorne herein darauf festgelegt hat, journalistisch zu arbeiten, dann werden Influencer den Teufel tun, nicht an ihre Anh\u00e4ngerschaft zu liefern. Denn das verlangt das Gesch\u00e4ftsmodell. Viel mehr als Clicks ist in diesem Zusammenhang n\u00e4mlich die Anh\u00e4ngerschaft wichtig. Werbung, Merch-Artikel, Partnerschaften etc. ist auf die Community ausgerichtet und nicht auf einen versehentlich vorbei-surfenden Interessierten, der sich nicht f\u00fcr den restlichen Low-Brain-Firlefanz interessiert. Journalistisch sauber arbeiten hei\u00dft auch, Themen anzupacken, bei denen einem Rechereche-Ergebnisse auch mal nicht genehm sind oder bei denen vielleicht auch mal die eigene Anh\u00e4ngerschaft an ihren eigenen Weltbildern r\u00fctteln muss. Und sind wir ehrlich, dass wird nicht passieren, denn der Cashflow und das Standing sind doch an den meisten Stellen und in den meisten F\u00e4llen wichtiger als journalistische Integrit\u00e4t. Oder um es anders auszudr\u00fccken: Viele w\u00fcrden sich \u2013 zurecht \u2013 an den Kopf greifen, h\u00e4tte sich Dieter Bohlen regelm\u00e4\u00dfig zu politisch-gesellschaftlichen Ausf\u00fchrungen in Talkshows und Roger Willemsen zu Promi-Big-Brother eingefunden. Und das zurecht!<\/p>\n<p align=\"justify\">An dieser Stelle wollen wir fairer Weise auch mal zugestehen, dass der Influencer-Bubble gar nichts anderes \u00fcbrig bleibt, als auf Standing und Cashflow zu achten. Denn, und da wird es wieder bizarr, viele dieser professionellen Sich-zur-Schau-Steller fahren ein kleines bis mittelst\u00e4ndisches Unternehmen vor sich her und bei vielen stellt sich einem schon die Frage, ob diese sich ihrer eigenen Verantwortung diesbez\u00fcglich eigentlich bewusst sind.<\/p>\n<p align=\"justify\">Da werden Kameraleute, Cutter, pers\u00f6nliche Assistenten und was alles so dazu geh\u00f6rt besch\u00e4ftigt und eine Personaldecke vorgehalten, die den einen oder anderen Handwerks- oder sogar IT-Betrieb die Tr\u00e4nen in die Augen dr\u00fccken w\u00fcrden. Immobilien werden ge- und wieder verkauft, sowohl privat als auch gewerblich, und dann per Roomtour der Community pr\u00e4sentiertt, nebst eigenem Fuhrpark. Die Geldsummen, die alleine von einem Gros der gro\u00dfen deutschen Influencer-Bubble bewegt werden d\u00fcrften, sind vermutlich in der Gr\u00f6\u00dfenordnung \u201eerschreckend\u201c anzusiedeln.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um so erstaunlich ist es, auf welcher Stufe einiger eben dieser herum dilettieren. Wenn man sich bewusst macht, dass der Influencer an sich ja erst einmal das Produkt ist, dass es f\u00fcr ihn\/sie\/es zu vermarkten gilt, ist es schon verwunderlich, wie oft pers\u00f6nliche Befindlichkeiten, defektes Equipment oder fehlerhafte Planung und Organisation zu Produktionsausf\u00e4llen f\u00fchren. Wenn man sich dann noch \u00fcberlegt, dass sich wieder andere dieser Berufsgruppe selber in den Burn-Out influencen, dann hat man in etwa eine Vorstellung vom durchschnittlichen Verantwortungsbewusstsein und der unternehmerischen Grundethik.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber, aber, wird da der eine oder die andere (\u201adas\u2018 bekomme ich hier leider aus stilistischen Gr\u00fcnden nicht unter) sagen, du pauschalisiert da ganz ungemein und wirfst vieles in einen Topf. Richtig, werde ich antworten. Wahrscheinlich w\u00e4re es korrekter, all das Beschriebene bestimmten Namen zuzuordnen, Belege anzuf\u00fchren, Referenzen einzubinden, und so weiter und so fort. Alleine, es ist die M\u00fche nicht wert. Ein kleines Experiment, dass jeder f\u00fcr sich durchf\u00fchren kann (welches nat\u00fcrlich verf\u00e4lscht, wenn Ihr Anh\u00e4nger einer der erw\u00e4hnten Communities seit \u2013 aber in dem Fall findet Ihr mich vermutlich sowieso schon seit dem dritten oder vierten Absatz dieses Traktates kacke):<\/p>\n<p align=\"justify\">Nehmt Euch die 20 beliebtesten und gr\u00f6\u00dften deutschsprachigen Youtube-Kan\u00e4le und schaut Euch wirklich mal die Inhalte an, auch die von Zweit- und Drittkan\u00e4len der entsprechenden Influencer. Schaut, wer mit wem was und warum macht, welchen Sinn das ergibt und was denn nun so bahnbrechend anders sein soll, als die Doku- oder Reality-Soap-Formate von RTL(2). Und vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, macht sich der eine oder andere von Euch einmal Gedanken dar\u00fcber, mit was f\u00fcr konsumierten Inhalten er\/sie\/es viele, viele Stunden des eigenen Lebens scheinbar \u201esinnvoll\u201c f\u00fcllt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nat\u00fcrlich kommt selbst der banalste Bl\u00f6dsinn sauber gestylt daher. Lassen wir das Beauty-Ged\u00f6ns mal beiseite, dass wurde schon zur Gen\u00fcge in die Mangel genommen. Gemeinsames Adventskalender-Testen (WTF), \u201eIch-kann-nicht-kochen-und-mache-nur-Chaos-in-der-K\u00fcche-Show\u201c, \u201eWir-packen-gemeinsam-meine-neuen-Schuhe-aus\u201c, \u201eSchaut-mal-mein-geiles-neues-Auto\u201c, \u201eIch-kann-jetzt-5km-am-St\u00fcck-laufen\u201c, \u201eWir-filmen-uns-beim-Autofahren-essen-Fastood-und-reden-\u00fcber-unsere-schwere-Jugend\u201c&#8230;ich glaube, wir beenden diese Liste an nicht mehr zu \u00fcberbietenden Banalit\u00e4ten hier einfach. Da ist es nun auch nicht verwunderlich, dass auch der sogenannte gemeine Klo-Talk zu den Erfolgs-\u201cFormaten\u201c geh\u00f6rt. Dabei ist die Redundanz dieser Inhalte mit \u201ev\u00f6llig \u00fcberzogen\u201c noch untertriebe.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eIst das jetzt wieder eine von diesen standardisierten und unreflektierten Social Media-Kritiken prechtscher Bauart?\u201c h\u00f6re ich es in der Rezipientenschaft schon raunen. Nein, dass ist es nicht. Ganz banal k\u00f6nnte man es wie immer mit \u201eDer Markt entscheidet\u201c formulieren. Der Erfolg gibt den Initiatoren dieser Machwerke ja recht und Youtube, Tiktok und Instagram sind lediglich die Distributionskanalisation dieses geistigen D\u00fcnnschisses.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nur, wo soll uns dieser Rant dann hinf\u00fchre? Auf die andere Seite, geehrte Leser! Auf die Seite der Empf\u00e4nger, die sich so euphemistisch immer \u201edie Community\u201c nennt. Der Fachmann w\u00fcrde sie als mal mehr mal weniger zahlungskr\u00e4ftige Melkkuh bezeichnen. Das ist aber gar nicht der Punkt, auf den ich an dieser Stelle hinaus will. Vielmehr l\u00e4sst einem die pure Zahlenmagie hinter diesem Panoptikum des Schwachsinns nicht nur rat- und fassungslos zur\u00fcck. Nein, sie wirft durchaus ein interessant-schockierendes Bild auf den intellektuellen Zustand unserer Gesellschaft. Lassen wir die Social Media Kan\u00e4le gro\u00dfer Unternehmen und Produktionen mal beiseite (\u00d6R, Musik-Labels, Kino und TV, etc.) und schauen uns einfach nur die Abonnementendzahlen, Follower und Inhaltsaufrufe ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigter vorgeblicher \u201eEinzel\u201cInfluencer an, so m\u00fcsste man auf die Idee kommen, dass jeder Mitb\u00fcrger dieses Landes und der Nachbarl\u00e4nder, die der deutschen Sprache m\u00e4chtig sind, gleich mehreren eben dieser folgt. Dem kann man entgegen halten: \u201eN\u00f6\u201c. Wir haben immer noch einen Gro\u00dfteil alternder digitaler Analphabeten (die sogenannte Generation \u201eKannst Du mal nach meinem PC schauen, ich glaube, ich habe das Internet gel\u00f6scht\u201c) sowie einen geringen Teil an Mitmenschen, die sich zwar online bewegen, der allgemeinen Verbl\u00f6dungsmaschine aber konsequent ausweichen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Folglich muss also ein nicht geringer Teil gleich mehreren Influencern folgen. Schaut man sich dann mal die Klickzahlen auf dem eigentlich Video-Content an und addiert diese auf, stellt man fest: Es muss sehr, sehr, sehr&#8230;wenn nicht sogar noch mehr Menschen geben, die ihr bisschen Zeit, welche sie haben, damit totschl\u00e4gt, die oben fein seziert dargelegten absolut mehrwertfreien Inhalte nebst dazugeh\u00f6rigem Merch zu massenkonsumieren. Und ich meine an dieser Stelle nicht ausschlie\u00dflich die Gruppe der Pubertiere, die man ja aufgrund ihres eh schon vor\u00fcbergehend grenzwertigen geistigen Zustandes fast schon entschuldigen kann. Nein, die Konsumentengruppen reicht von Kindergartenkind (die kann man ja mit Youtube so sch\u00f6n ruhig halten) bis zum Neurentner. Der Dreck wird mehr oder weniger gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber alle Bev\u00f6lkerungsgruppen hinweg ausgesch\u00fcttet.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was also ist der Kern, die Quintessenz, die \u201eSumma Summarum\u201c? Relativ simpel: \u201eUnterschichten-TV hat gewonnen\u201c!<\/p>\n<p align=\"justify\">Tagt\u00e4glich kann man online verfolgen, wie Menschen sich immer noch \u00fcber die billigen und plakativen Inhalte der Springer-Presse (namentlich \u201eBild\u201c-Zeitung und Co.) oder \u00fcber Inhalte und Sendungen diverser TV-Verbl\u00f6dungsanstalten echauffieren. Germanys Next Top Modell im Dschungelcamp wird gefrauentauscht zum Perfekten Promi Dinner im Big Brother Container. Alles geh\u00f6riger Nonsens und Idioten-TV, glaubt man der breiten digitalen Kommentarstimme. Trotz allem werden auch diese Inhalte wiedergek\u00e4ut und dann zum Rudelgucken innerhalb der \u201eCommunity\u201c mit dem Influencer als Moderator recycelt und reihen sich damit ein in den absolut sinnfreien zu konsumierenden Content eben dieser Beeinflusser-Maschinerie. Was hat man dem sogenannten Unterschichten-TV nicht alles vorgeworfen: \u201ebefriedigt den gemeinen Voyeurismus\u201c, \u201eentbl\u00f6\u00dft Menschen, die die Konsequenzen nicht absch\u00e4tzen k\u00f6nnen\u201c, \u201eLust am Verlierertum\u201c und noch vieles mehr.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und jetzt? Jetzt haben wir all dies in vielfach amplifizierter Form mit einer wohl um einiges gr\u00f6\u00dferen Zielgruppe, als es sich die Profis in den 90ern h\u00e4tten jemals vorstellen k\u00f6nnen. Und der Markt gibt noch wesentlich mehr her, als eine reine Zuschauerquote. Man kann mit diesem Schnodder auch Tassen, T-Shirts und Handyh\u00fcllen verkaufen und einen Personenkult erschaffen, der selbst das \u201eJ\u00fcrgen &amp; Zlatko\u201c-Ph\u00e4nomen der Jahrtausendwende wie einen mickrigen Anf\u00e4nger-Versuch aussehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Zeit, die ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil unserer Gesellschaft damit verbringt, sich die eigenen Hirnwindungen von solch sinnfreiem Gew\u00e4sch verkalken zu lassen, ist nicht unerheblich. Wir reden hier nicht von Minuten. F\u00fcr viele ist es eine freizeitf\u00fcllende Besch\u00e4ftigung, die Inhalte all ihrer abonnierten Influencer nach- und aufzuholen.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eAber kann es Dir nicht egal sein\u201c, k\u00f6nnte jetzt der ein oder andere Leser hier fragen. K\u00f6nnte es vielleicht, wenn ich als Eremit in irgend einer H\u00f6hle in den Bergen wohnen w\u00fcrde und jeglichen Kontakt mit meinen Mit&#8230;was auch immer vermeiden k\u00f6nnte. Das ist aber nicht der Fall. Wir m\u00fcssen in dieser sich selbst geistig verst\u00fcmmelnden Gesellschaft klar kommen. Wir werden diesen Nicht-Inhalten, diesem Nonsens ausgesetzt, egal ob wir es wollen oder nicht. Denn es ist auch Zeitgeist (wobei da jeder Geist schon lange verflogen ist) und wohl auch \u201ekulturelle\u201c Referenz, die in der Interaktion mit anderen seltenst ausgeklammert werden kann. Schon gar nicht wenn man Kinder hat, denen man irgendwie verklickern muss, dass vielleicht nicht Alkohol oder Cannabis die Zukunft ihrer Hirnwindungen bedrohen, sondern irgendwelche grenzdebilen Influencer.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich mag keine abendf\u00fcllenden Diskussionen \u00fcber den x-ten Minecraft-Influencer oder das y-lonte React auf das z-te \u201eM\u00e4rchen in asozial\u201c von\u2026 naja, ihr wisst schon.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das wir mit diesem M\u00fcll auch noch \u00f6kologischen Schindluder betreiben (noch mehr Social Media-Datacenter mit noch mehr Kapazit\u00e4t f\u00fcr noch mehr digitalen Schmronz) ist da nur noch eine Randnotiz, sogar eine f\u00fcr die, die sich zwar Nachhaltigkeit auf ihre Influencer-Fahne geschrieben haben, aber die Datenleitungen und Server dieser Welt mit jedem unn\u00fctzen Furz, den sie mitteilen m\u00fcssen, weiter belasten).<\/p>\n<p align=\"justify\">Wessen Lebensinhalt all dies ist und wer dies alles ohne Kritik und Reflexion hinnimmt, der m\u00f6ge gerne auf dieser Stra\u00dfe weiterfahren. Es ist dann genau so Euer Problem, wie wenn Ihr ausschlie\u00dflich mit Bier, Chips und Fastfood auf der Couch versauert, weil es eigentlich ganz sch\u00f6n ist und dann einfach mit Mitte 30 mit einem Herzkasper aus den Latschen kippt. Jeder ist f\u00fcr den Inhalt seines Lebens selbst verantwortlich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber dann seid bitte so ehrlich und gesteht Euch ein, dass Ihr ein Teil des Problems seid und nicht die L\u00f6sung. Wenn Ihr Schei\u00dfe fresst und Euch nicht um Euch k\u00fcmmert, ist der k\u00f6rperliche Verfall keine \u201eWenn\u201c sondern eine \u201eWann\u201c-Frage. Wenn Ihr Eurem Hirn dauerhaft geistigen M\u00fcll vorwerft, ist der mentale Effekt derselbe, nur dass Ihr Euch immer noch f\u00fcr fit haltet, weil ihr nicht merkt, wie ihr Euer Hirn langsam verdaut. Euer Output wird allerdings in der Regel dann f\u00fcr andere sehr anstrengend und mitunter sehr ungenie\u00dfbar.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und jetzt? Wie geht es weiter? So wie immer. Entscheidet selber, was Ihr daraus macht. Als kleine Anregung meinerseits: Man k\u00f6nnte sich ja auch bei dem Konsum geistigen Futters ein wenig ern\u00e4hrungsbewusster verhalten. Man wei\u00df, das Fast Food ungesund ist, also versucht man es auf ein \u201eunbedenkliches Ma\u00df\u201c zu reduzieren. Man wei\u00df, dass, wenn ich nicht auch nachhaltig einkaufe, ich f\u00fcr Umwelt, Tierhaltung, etc. negative Effekte und nicht nachhaltige Erzeuger unterst\u00fctze.<\/p>\n<p align=\"justify\">W\u00e4re es nicht geradezu gro\u00dfartig, mit dieser Art von Bewusstsein auch an die eigene mentale Gesundheit heranzugehen oder vielleicht sogar einen Nachhaltigkeitsgedanken f\u00fcr geistigen Zustand der Gesellschaft zu entwickeln? Von Leistung will ich hier noch gar nicht sprechen, denn das w\u00fcrde dann ja schon so etwas wie Training erfordern. Mir pers\u00f6nlich w\u00fcrde es schon reichen, wenn wir den totalen geistigen Herzinfarkt unserer Gesellschaft im besten Fall vermeiden oder zumindest m\u00f6glichst lange herausz\u00f6gern k\u00f6nnten, auf das die Idiokratie erst mal weiterhin eine Dystopie bleibe.<\/p>\n<p align=\"justify\">Alleine, die aktuelle Realit\u00e4t stimmt mich diesbez\u00fcglich ein wenig pessimistisch und nicht nur die 6 Kilogramm, die im Durchschnitt in den letzten zwei Jahren zugenommen wurden, sind ein gesundheitlich-gesellschaftliches Problem, von daher\u2026<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8230;Over &amp; Out. See you in 2023.<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ist er wieder, der ber\u00fcchtigte Jahres-End-Rant und fast schon traditionell auch der einzige Eintrag, den ich \u00fcber die letzten 12 Monate in diesem Blog \u2013 auch wenn es diese Bezeichnung schon lange nicht mehr verdient \u2013 t\u00e4tige. 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