Die Laufsicht: 13. Lufthansa Halbmarathon

Auch wenn es ein bisschen verspätet sein mag: mit einem Laufbericht und einer Nachlese zum 13. Lufthansa Halbmarathon möchte ich mit der Blog-Kategorie „Laufsicht“ starten, in welcher ich Erfahrungen zu Laufveranstaltugen aus der Ego-Shooter-Perspektive zum Besten geben werde.

Für so ziemlich jede Erfahrung im Leben gibt es ein erstes Mal, und wie bei jedem ersten Mal ist es vollkommen in Ordnung auch vor seinem ersten Halbmarathon ein wenig ausgesprochen nervös zu sein. Dies musste in der Woche vor dem Rennen vor Allem die Holde (also Ramona) ertragen, war diese Nervosität doch gepaart mit schweren Entzugserscheinungen resultierend aus der selbst auferlegten Tapering-Phase in Kombination mit einem freiwilligen Verzicht auf all zu zuckerhaltigen Süßkram (vornehmlich Schokolade).

Auch die wohl vor einem solchen Rennen üblichen Mini-Wehwehchen ließen nicht lange auf sich warten: Plötzlich auftretenden Schmerzen im Knie oder im Fuß, etc. usw… Wer genauere Details hierzu braucht, muss sich nur bei einer beliebigen Laufveranstaltung in den Startblock stellen und die Ohren aufsperren: „Blubber-blah …Achillessehne … blah-blubber … Lendenwirbel… blubber-blah….  Kniescheibe.“ Man lernt schon sehr früh in seiner Läuferkarriere, dass dieses Gejammer ein festes Ritual in der Vorbereitung zu einem Lauf bis hin zur Startlinie darstellt und nicht wirklich die eigentlichen körperlichen Verfassung der Läufer widerspiegelt.

Streckenplan-Lufthansa-Halbmarathon

Trotz all dieser Widrigkeiten standen Sportsfreund Tony und ich am 8. März pünktlich um kurz vor 10:00 Uhr bei klarem aber kalten 10°C am Start an der Commerzbank Arena.  Laut Wettervorhersage sollte die Temperatur im Laufe des Vormittags bis auf 20°C steigen, dementsprechend hatte ich optimistisch die Variante mit kurzer Laufbekleidung gewählt.
Als nächstes stellte sich die Frage: „Welcher Startblock?“ Meine angepeilte Zielzeit bei Meldung war eigentlich 1 Stunde und 50 Minuten, aber nach den Trainingsergebnissen der letzten Wochen wusste ich, dass es schneller gehen sollte. Eventuell sollte ich doch den Startblock mit der Zielzeit 1:35 – 1:45 wählen. Was aber, wenn die Beine nicht mehr wollten? Die Blöße am Ende Spazieren gehen zu müssen wollte ich mir eigentlich nicht geben. Letztendlich musste ein Kompromiss herhalten: wir sortieren uns im Startblock mit der Zielzeit 1:45 – 1:55 recht weit vorne ein, mit der Option nach vorne wegzulaufen.

Pünktlich um 10:00 Uhr viel der Startschuss für die Eliteläufer (wie auch immer es gelingen mag, 21 km in knapp über einer Stunde zu rennen) und jeweils mit wenigen Minuten Abstand für die jeweiligen Zielzeit-Startgruppen. Bei mehr als 4000 Startern ist dies ein durchaus sinnvolles Vorgehen, vermeidet man doch somit das Gedränge kurz hinter der Startlinie und die daraus resultierenden Überholschwierigkeiten, welche gerade bei diesem Lauf aufgrund des Durchquerens einer engen Unterführung kurz nach dem Stadion zu unschönen Situation führen könnten.
Jetzt hieß es: Konzentration, nicht zu schnell los laufen, Rhythmus finden. Im Gegensatz zu 90% der Mitläufer, laufe ich Wettkämpfe immer ohne Uhr (bzw. maximal mit den Uhren, welche sich an der Strecke so finden, wie bei Bahnhaltestellen, Kirchtürmen, usw.), muss mich beim Finden meiner Geschwindigkeit also rein auf meine Körpergefühl verlassen. Raus aus dem Stadion und dann die Flughafenstrasse runter. Hier zeigte sich dann auch, dass sich bei vielen Mitläufern die Vorstart-Nervosität wohl gelegt hatte, denn gleich dutzendfach verschwanden die Kollegen in den angrenzenden Gebüschen um ihren Flüssigkeitshaushalt zu (de)regulieren. Vermutlich sind dies die Momente, wo der Laufsport ökologisch bedenklich wird (vom vermehrt unkontrolliertem Kohlendioxidaustoß mal abgesehen).

Lufthansa Halbmarathon 2015
Weiter ging es durch die Bürostadt in Richtung Mainufer – und schon auf den ersten drei Kilometern hörte man so machen Mitläufer röcheln wie einen präfinalen Darth Vader. An der Stelle stellt sich einem dann immer wieder die Frage: „Ist das Gesund, wenn man schon nach drei Kilometern auf der letzten Rille keucht und noch 18 weitere Kilometer vor sich hat?“ Aber bei wie so vielen Dingen muss dass wohl jeder für sich selber entscheiden.
Die Temperaturen stiegen noch beständig fröhlich vor sich hin und so ging es in anständigem Tempo und bei knapp 18°C zwischen den Gebäuden der doch recht unspektakulären Bürostadt entlang und Richtung Mainufer weiter. Ein gelegentlicher Abgleich mit Tonys Uhr ergab: bisher hatten wir bei jedem Kilometer mit kaum merklicher Abweichung fast punktgenau immer die 5 Minuten getroffen – schneller und bei Weitem weniger anstrengend, als ich erwartet hatte.
Gerade für das Training im Triathlon heißt es ja: lerne Dich jeden Tag neu kennen – und genau dies schien mir gerade an dieser Stelle zu passieren. Bis zu diesem Punkt war mir nie klar, dass meine Beine so etwas wie einen eingebauten Tempomat mit Energieeffizienzkontrolle besitzen. Ab Kilometer Vier beschlossen sie zumindest von selber in genau diesem Tempo zu laufen (5 min/km) und dies bis zum Ende auch nicht mehr ändern zu wollen. Die Durchgangszeit bei Kilometer 10 am Eisernen Steg war ziemlich genau 50 Minuten – und erstaunlicherweise war ich weder außer Atem noch zeigten sich sonst irgendwelche bekannten Ermüdungserscheinungen. Es folgte der Teil durch Sachsenhausen über die Möhrfelder Landstrasse bis hin zur Isenburger Schneise. An dieser Stelle wird die ansonsten sehr angenehme Strecke doch ein wenig gemein: Kilometer um Kilometer läuft man kerzengeradeaus vom eigentlichen Ziel in der Commerzbank-Arena weg auf einen Wendepunkt zu, während auf der anderen Strassenseite einem bereits die Scharen der Läufer wieder entgegenkommen. Zudem ist dies der einzige Teil der Strecke, an dem es beständig (aber nicht sichtbar) leicht bergauf geht und die Beine einem dann doch melden, dass sie schon 15 Kilometer hinter sich haben, und man sich eventuell überlegen könnte, ob es denn nun nicht genug sei. Aber wie wir alle irgendwann mal gelernt haben: Wo es hinauf geht, muss es auch wieder hinunter gehen. Nach dem Wendepunkte konnte ich die Beine wieder ein wenig schneller laufen lassen und den Kilometerschnitt halten.
Bei Kilometer 18 schließlich musste wollte Tony noch einen Sprint einlegen (oder es zumindest versuchen) während ich meine Pace beibehielt.
Es blieb letztendlich nur noch der Weg durch den Stadtwaldt über die Otto-Fleck-Schneise zum Stadion zurück. „Nur noch“…denn irgendein geistig umnachteter Architekt musste bei Kilometer 19 noch ein Brücke vor das Stadion bauen und somit wohl auch den steilsten Anstieg (wenn man von so etwas bei einer Brücke sprechen kann) genau vor den letzten Kilometer platzieren.
Ein Hinweis für jeden, der den Halbmarathon ebenfalls laufen will: Ihr könnt das Stadion zwar sehen, wenn Ihr über die Brücke seit, aber bis zum Ziel ist es ein verdammt langer letzter Kilometer, der sich so anfühlen wie fünf – eine komplette Runde ums Stadion. Der Kopf hat bereits an die Beine signalisiert, dass sie nahe am Ziel sind und diese glauben ihm natürlich (elende Mitläufer). Hier heißt es einfach Zähne zusammenbeißen und durch.
Genau dies tat ich auf dem letzten Kilometer…einfach durch. Die Lunge hätte an diesem Tag vermutlich sogar einen Marathon hergegeben, die Beine waren mit den 21 Kilometer gut bedient.
Kollege Tony hatte sich mit dem Sprint noch eine gute Minute Vorsprung erlaufen. Letztendlich stand am Ende für mich eine 1:45,32h (deutlich unter der selbst gewählten Zielzeit) zu Buche und ein Platz im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes: 1527er bei über 4600 Läufern, es geht durchaus schlechter. Zudem die Erkenntnis, dass ein Halbmarathon mit einer vernünftigen Zeit zu beenden bei gutem Training kein Hexenwerk ist und vor allem richtig Spaß machen kann.

Es müssen also neue Ziele her: Zielzeit für den nächsten Halbmarathon – 1:39h oder schneller.

 

 

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